Aufgewacht, es ist um 8!
Na ja, eigentlich nicht, gestern war’s um die Zeit erst 7:00 Uhr.
Komisch ist es trotzdem, man gewöhnt sich sehr schnell an neue Zeiten, aber wenn sie dann nochmal zurück, ne , vorgestellt wird.
Was denn nun, in so kurzer Zeit, so oft die Uhr umstellen, kann ja auch nicht gut sein.
Also Rucksack gepackt, und ab ins Café um die Ecke.
Ich hab krampfhaft das Tostado mit Schinken, Tomate und Olivenöl gesucht.
Äh, gibts nicht?
Ok, ein Sandwich macht es dann auch.
Bloß kein Süsskram mehr.

Die Kirche am Markt ist schon auf und es gibt sogar einen schönen Stempel.
Schon etwas auswärts, ein Kilometerstein, und der sagt:
161 km !

Ist doch gar nicht mehr so weit!?
Sandra, nur 161 km.
Und der Jacobus mahnt zur Ruhe. Mach langsam, und auch mal Pause.

Der Blick zurück nach A Guarda zeigt, wie der Nebel sich zurück zieht.
Es waren auch nur 8 Grad. „Eisig kalt!“
Kurze Hose ok, aber die Jacke bleibt an.
Ich hatte heute Morgen auch das Gefühl, die Klamotten sind alle klamm.
Da sag ich nur, keine Heizung!
Die Hoffnung auf Sonne ist aber da.

Zwischendurch ging es durch Eukalyptus, auf geschottertem Weg, aber das sollte sich noch grundlegend ändern.

Nämlich so!
Asphalt bis zum Horizont, das kann ja was werden. 😖

Pilger sind hier weniger unterwegs, aber durchweg bekannte Gesichter.
Das ist jetzt cool, wir kennen uns schon irgendwie.
Eine seit 20 Jahren in Wien lebende Ukrainerin kommt mir entgegen, völlig aufgelöst. Sie hat ihr Handy irgendwo verloren.
Da kann ich ihr wohl nicht helfen.

Hier mach ich mal kurz Pause, um die ersten Kieselsteine aus den Schuhen raus zu holen.
Mit langer Hose würde mir das nicht passieren.
Die aufgelöste Ukrainerin kommt auch und kippt ihr Beutelchen aus, und siehe da, das Handy ist wieder gefunden.
Bei dem Gemöhle, was viele Frauen in ihren Taschen haben, (alles überlebenswichtig!), kein Wunder. 🤣🤣
Ihr Tag und ihr Camino sind gerettet.

Pilgerbar, na klar, ich komme.
Ich hab alles richtig gemacht, zum Mittag gibt es Tarte de Santiago, die ist so lecker. Ich hab festgestellt, wenn ich hier zum Mittag mehr als eine Kleinigkeit esse, quäle ich mich beim Laufen danach.

Ab und zu gibt es ein paar Farbtupfer, grün ist hier sowieso alles. Selbst der Weißdorn steht in voller Blüte.


Endlich auch mal wieder ein ordentlicher Pilgerweg, Waldboden zum Teil.
Was inzwischen auffällig ist, der Eukalyptus nimmt zu, es riecht jetzt gut, aber eigentlich ist es eine ökologische Voll- Katastrophe.
Da drunter wächst nämlich nichts anderes mehr.
Für den Schatten aber immer gut.

An der Ermita de San Sebastian mach ich kurz Pause unterm Kreuz und nutze die Chance, echte Kerzen anzuzünden.
Die elektrischen Kerzen kommen immer mehr in Mode, ich kann mich aber da gar nicht mit anfreunden.


Hier auf den kleinen Feldern stehen schon Zwiebeln, Knoblauch und die Kartoffeln haben schon ordentlich Kraut.
Und aus dem letzten Jahr steht noch der Berza Gallega, der galizische Kohl.
Sopa Gallega bekommt man hier eigentlich überall und sie schmeckt!

Ländlich geprägt, in den Dörfern wird oft renoviert, Häuser nach alter Sitte wieder aufgebaut. Der Tourismus macht es möglich.

Nur das Kloster in Oia verfällt zusehend, die Kirche Mirador de Santa Maria aber wird noch genutzt.

Und nun wird es ominös.
Der Typ mit der grün leuchtenden Weste ist ein Polizist der Policia rural.
Den hab ich doch schon 2-3 Kilometer vorher an den Felsen mit dem Fernglas im Gesicht gesehen.

Jetzt steht er hier mit seinen Auto, Heckklappe auf und zwei Körbe mit Seeigel drin. Kontrolliert den Fang der beiden Frauen.

So ungefähr, 3 Körbe für euch, 1 Korb für mich. Bei 12 Körben, weiß jeder, mit wie vielen Körben er losfährt.🤔😉🫣😎
Das ist natürlich eine Unterstellung meinerseits, aber der Brite hinter mir, sah das auch so. Ha,Ha….🤣

Weiter geht’s auf Asphalt dem Ziel entgegen, Mougás.
Wobei ich hier irgendwie nicht so richtig weiß, welcher Ort eigentlich wo ist. Die Landschaft ist so zersiedelt, da siehst du Ortseingang und Ausgang nicht.
Nur die Wegführung des Camino ist jetzt top gekennzeichnet.
Und irgendwie scheint es hier echt Mode zu sein, ein halbes Boot im Garten zu haben.
So ungefähr:
wenn der Fischer nicht mehr kann, sein Boot abwracken muss, stellt er sich die Decksaufbauten in den Garten.
Jeder so wie er es mag.
Die Deutschen haben den Gartenzwerg!
Ich nicht!

Wohin der Pfeil wohl führt? Natürlich nach Santiago.

Aber erstmal hierher.
Da hat irgendeiner mal angefangen, warum auch immer?
Und dann entwickelt sich sowas.

Und hier komme ich dann auch vom rechten Weg ab, laufe gerade aus weiter.
Nein, ich habe nicht gepennt.
Das war volle Absicht.
Ich lauf doch nicht 500 Meter den Berg runter, und dann irgendwann 500 Meter den Berg wieder hoch!
500 Meter geradeaus und dann den Berg runter und ich steh vor meiner heutigen Herberge.
Genau so!
Die Herberge, super eingerichtet, mit vollem Service der Vermieterin. Bier, Wein, Wasser etc, alles da. Im Ort gibt es keinen Laden.
Sie bestellt mir ein Bocadillo vom feinsten, so groß, die eine Hälfte ist morgen meine Wegzehrung.😎
Und Frühstück gibt es für 3€.
Besser geht es nicht.

Nach der verdienten Dusche genieße ich den Garten und lasse auch meine Asphalt-geschundenen Füße entspannen.
Und ja, ich hab ein paar kleine Blasen. Asphalt eben.
Ich kenn ja die Kommentare: bist selbst schuld, und so weiter.
Tja, ne, da haben die Blasen wohl Pech gehabt, morgen geht es weiter!

In der heutigen Abrechnung stimmt was nicht.
Komoot wollte heute Morgen auch nicht!
Zeitumstellung?
Fing erst außerorts an mitzuzählen! Jetzt fehlen ihm 1,1 km.
Und ich bin um 09:00 Uhr spätestens los und um 14:15 Uhr angekommen, macht nach Adam Riese 5 Stunden, 15 Minuten.
Zeitumstellung! 🤣🤣

Morgen geht es nach Nigran, im Großraum Vigo.
Eine App sagt 19 km, die andere 16 km. Verschiedene Varianten?
Mal sehen, was stimmt.
Mittwoch lege ich dann einen „Ruhetag“ein, und fahre mit dem Bus nach Redondela, genieße die dortige Altstadt und suche mir eine Bleibe für die Nacht.
Ich vermeide damit, ewig durch Vigo zu laufen.
Weiß nicht, ob das so erstrebenswert ist, und ich bin eher nicht der Großstadt-Mensch.
Na dann….
Buen Camino
Heute gab’s mal ein cooles Siegel und ein paar schöne Stempel



