35 Tage…..

Was für eine Aufregung, nach 35 Tagen komme ich heute in Santiago an. Der Morgen verspricht wirklich gutes Wetter, keine Wolke am Himmel, etwas Nebel, und frisch ist es.10 Km, es ist ein Katzensprung, 2 Stunden bis zur Kathedrale, es wird der emotionalste Tag des Weges. Der Rucksack drückt nicht, keine Blase nervt, die letzten Steigungen sind leicht.

Ich will jetzt ankommen.

Die Kathedrale am Horizont, geht es in die Stadt. Wir zählen die letzten Kilometer.Mit 100000 Einwohnern ist Santiago keine kleine Stadt, hat sich weit ins Umland ausgedehnt.Es geht in die Altstadt, dem Ziel ganz nah, es werden jetzt immer mehr Pilger. Buen Camino, Buen Camino, wirst du begrüßt. Noch um die letzte Ecke, am Nordtor der Kathedrale vorbei, und dann stehst du auf dem Platz vor der Kathedrale!

Was für ein Moment!

Ich bin endlich am Ziel!

Und ich muss mich echt zusammenreißen, hab jedes Mal feuchte Augen!

Was für ein Moment!

35 Tage bis hierher, Sonne, Regen, Frost, Schnee, Hagel, Blasen, schmerzende Füße, Frust und Spaß wechseln sich ab, was für ein Camino, was für ein Weg! Es ist für mich der Schwerste!

Ich hab’s mal wieder geschafft, bin heil und gesund durchgekommen.Wir liegen uns in den Armen, gratulieren uns, sind einfach nur happy! Und es werden immer mehr Pilger, der Platz füllt sich, was für ein Trubel. Es ist ein Schauspiel, wir genießen es.

Ich hab tolle Leute kennen und schätzen gelernt, meine Weggefährten Wolfgang und Anton! Was hatten wir viel Spaß.

Wir sind total aufgedreht, unsere Schnellpilger nehmen uns in Empfang, sie sind gestern Morgen angekommen.

Der Abschluss ist um 12:00 Uhr dann die Pilgermesse, dieses Jahr in der San Franziskus Kirche, mit ein paar hundert Pilgern aus aller Welt. Diesmal gestaltet mit Unterstützung spanischer Kinder und dem Abendmal.

Ein gelungener Abschluss.

Und hier hab ich dann auch zwei richtige Kerzen aufgestellt, eine für Brigitte Bruhn, wie versprochen.

Und natürlich für unseren Bruder Oliver, der mich 2014 bestärkt hat, den Camino Norte zu laufen, es total cool fand, und vielleicht irgendwann mitgekommen wäre, wenn er gekonnt hätte!

Und ja, er fehlt!

Den Rest des Tages habe ich in der Altstadt relaxt, endlich Pulpo gegessen, und auf die hinter uns liegenden Tage angestoßen!

Ab jetzt bin ich Tourist, genieße die verbleibenden Tage bis zum Rückflug am Donnerstag!

Mein Plan:

Montag nach Finisterre mit dem Bus, nachmittags natürlich zum Cap laufen( schon wieder laufen!😎😎)! Dienstag am Strand in Fisterra Baden, egal wie kalt der Atlantik ist, das ist Pflicht! Dann zurück nach Santiago mit dem Bus und ein letztes Treffen mit den Pilgerfreunden, die wunderbare Altstadt am Mittwoch nochmal in Ruhe genießen!

An dieser Stelle ganz ganz großen Dank an Sandra, für all die Hilfe, den Zuspruch, die Unterstützung für solche manchmal auch verrückte Sachen.

Danke!

Und dann heißt es Adios Santiago, wann auch immer, oder soll ich sagen:

Buen Camino ,

na klar,

„Es gibt viele Wege………“

Die Kathedrale in Sicht…..

Unser Anton hat heute morgen schon wieder mal um 6:00 Uhr umher geräumt, um 7:00 Uhr ging dann das Licht „automatisch“ an. 24 Km bis Susana standen auf dem Plan. Morgens war es endlich mal wieder warm, es sollte nun nicht mehr regnen!

Es sah etwas grau aus, die Hoffnung stirbt zuletzt. Wolfgang hatte den Poncho und die Regenhose in die unterste Ecke des Rucksacks verbannt. Macht man sowas? Nein, dann regnet es bestimmt! Also wenn doch, haben wir schon mal einen Schuldigen!

Es lief sich gut, viel Wald mit Eukalyptusbäumen und Steineichen. Das Höhenprofil sagt gemäßigte Anstiege voraus, die großen Berge liegen hinter uns.Aber glaub nie dem Höhenprofil, das lügt doch immer!🤔

Nach Ponte Ulla ging es von 350 m ü.N. runter auf 50 m ü.N.,steil bergab, das hab ich wieder in den Knien gemerkt. Anton hatte da echt Probleme mit seinem Metall in seinen Knien. Dafür wurden wir aber unten im Ort bei Hilda im Restaurant Rios mit einem tollen Mittag verwöhnt. Die Empfehlung von Margitta war goldrichtig.

Und es wurde eine längere Pause, wir hatten ja Zeit. Unterweg überholten uns Moutainbike-Pilger aus Portugal, eine ganze Horde, laufend mussten wir an den Wegrand, die kommen mit Karacho angetobt und haben keine Klingel. Aber man kann sie hören, so laut quatschten sie beim Fahren. Die Frage ist nur, wo kommen die alle her?

Anton hat sie dann im Rios ausgefragt, sie machen 200 Km und sind heute (na klar) in Santiago, und müssen morgen schon zurück in die Heimat. Ähnlich wie bei der gestrigen Truppe Fusspilger, die machen heute 36 Km und sitzen morgen im Zug nach Portugal.

Kaum waren wir bei Hilda raus, bog Anton bei einer älteren Dame, 3 Häuser weiter, ab. Unsere 9-köpfige Raupe hat Kuchen erspäht, daran kommt er nicht vorbei! Jedes Mal! Haben wir nicht gerade gegessen?Das hier überall die Pilger Thema sind, kann man nicht übersehen. Ich glaub, in Ponte Ulla lebt der ganze Ort davon.

Wir merken jetzt auch deutlich, wie nah wir dem Ziel sind!

Das heißt, alle Reserven werden vertilgt, wie die restlichen Claras vom gestrigen Abend.Morgen brauchen wir keinen Proviant, so schnell, wie wir dann unterwegs sein werden! 😂😂😂

Kurz vor Susana, dem Tagesziel, dann ein Blick ins Tal! Ist das eine optische Täuschung?

Nein, am Horizont war tatsächlich die Kathedrale von Santiago-de-Compostela zu sehen!

Die Herberge in Susana ist ganz neu, tolle Austattung, und die Lage ideal.

Vom Aufenthaltsraum sieht man schön, wie sich noch so einige Pilger in Richtung Santiago bewegen. Ich bin mal gespannt, wieviel hier noch übernachten. Das Gästebuch ist jedenfalls voll.

Wir haben all unsere Wäsche in der Maschine gewaschen, immer nur Handwäsche ist Nichts auf Dauer, irgendwann riecht sie dann doch. Und sie wird noch trocken, es scheint die Sonne, 24 Grad auf dem Thermometer!

Außerdem mussten sich die Pilger früher auch immer vor der Stadt reinigen, und durften dann erst in die Stadt einziehen.😉

Wir werden morgen eventuell von unseren Schnellpilgern empfangen, die sind gestern angekommen! Das kann ja ein Spaß werden.

Und was ganz wichtig für morgen ist:

Es soll den ganzen Tag die Sonne scheinen, bis 27 Grad warm soll es werden. Besser geht’s nicht!

Man, ich bin total aufgeregt, hoffentlich kann ich schlafen, ja, ich war schon 2 mal in Santiago, aber es ist nach 850 Km trotzdem besonders, aufregend, genial, was weiß ich, auf jeden Fall total emotional!

Darum heute zum letzten Mal auf diesem Weg:

Buen Camino

34 Km bis Santiago…..

Das Ziel rückt immer näher.

Ich kann sagen, diese Nacht hab ich super geschlafen, kein Schnarcher, kein Lärm, keiner, der vor 6:00 Uhr los geht. Klar, wir haben uns eine Pension für 17,50 € inclusive Frühstück geleistet. Und das war auch gut so.

Heute morgen hab ich den gestrigen Tag in den Beinen gespürt, war doch anstrengender, als wir gedacht haben. Hoffnungsvoll ging es in den Morgen.

Und: Es regnet nicht ! Noch nicht!

Selbst die Sonne ließ sich kurz blicken.24 Km liegen heute vor uns, es geht nach Bandeira. Landschaftlich sehr angepriesen, aber die ersten 5 Km an der Hauptstraße entlang. Bei dem Verkehr kein Spaß, jeder entgegenkommende LKW ein Risiko.

Und es fing an zu nieseln.😩 Also die Regensachen an!

Na gut, wenn es nicht mehr wird?

Endlich von der Hauptstraße runter, ging es jetzt immer hin und her, die Wege waren sehr aufgeweicht, kleine Bächlein flossen die Berge herunter. Und so musste ich wieder den Weg im Wasser suchen. Klar, ich komm ja von der Küste!

Jetzt geht der wieder Boot fahren! 😂😂

Ja, da suchst du den Weg im Wasser von einem Stein zum Nächsten, und das sieht schon komisch aus.

Tom läuft übers Wasser! 😱😱😱😱

Oh, welch Blasphemie! Aber seht selbst !

Der Weg macht schon Spaß heute, teilweise auf der alten Römerstrasse und über uralte Brücken, durch tiefe Hohlwege und dann wieder Wiesen.

Und dann vergeht die Zeit wie im Flug. Wir waren um 12:00 Uhr schon in Silleda, die Hälfte ist geschafft. Aber es regnete wieder. So kam die Pause ganz recht.

Jetzt kam der wirklich schöne Teil des Weges, eine riesige Brücke aus der Römerzeit, der Weg wieder gepflastert mit großen Felsen, das sieht urig aus, und hält.Aber es war schon manchmal recht steil auf den Wegen, teilweise sehr zerklüftet, so das ich oben manches Mal ganz schön aus der Puste war.Nahe dem Wald, an der Ortschaft Taboada stand dann eine kleine Kirche, die wir unbeachtet hinter uns ließen. Beim Zurückschauen seh ich die Kirchentür offen stehen!

Das war meine Chance! Stop und zurück!

Da waren zwei ältere Damen und der Priester beim Saubermachen und Schmücken für den Gottesdienst am Sonntag! Und wir durften kurz innehalten!

Wir kamen ins Gespräch, dieses Kirchlein war aus dem 11.Jahrhundert, und ja, die Kirche wird noch jeden Sonntag genutzt und sehr gut besucht! Und es gab hier sogar einen Stempel für die Pilger.Nur die Kerze konnte ich noch nicht aufstellen. Aber das schaffe ich noch!

Das Ziel vor Augen kam die Sonne, es wurde endlich wärmer und das Grau verschwand. Hoffnung keimt auf, das die letzten zwei Tage sonniges Wetter ist.

In Bandeira geht’s heute in die öffentliche Herberge, sieht gut aus, wie aus Containern gebaut ! Ja, da war doch was, Container hatte ich doch schon mal?

Hier war das top, etwas futuristisch gemacht, super sauber, funktionell. Und wir sind zur Zeit nur 6 Pilger, eine Gruppe von mindestens 10 Portugiesen ist ins Hostal gegangen, zum Glück für uns.😉Morgen nun die vorletzte Etappe, es geht 24 Km nach Susana (nicht zur Susana, sondern nach Susana!😂😂). Insgesamt sind es von hier bis Santiago 34 Km, bleiben nur noch 10 Km für den Sonntag übrig.

Da könnte nun einer sagen, warum machst du nicht gleich die 34 Km in einem Stück?

Ganz einfach: Sonntag morgen um 8:00 Uhr geht’s zum letzten Mal auf die Piste, 10 Km, zwischen 10:30 – 11:00 Uhr bin ich an der Kathedrale in Santiago angekommen, kann es genießen, gehe mir meine Urkunde abholen und sitze dann hoffentlich um 12:00 Uhr in der San Franziskus Kirche in der Pilgermesse! Und das ist dann für mich, wie für viele andere auch, der krönende Abschluss eines langen Weges !

Bei meinem ersten Camino hab ich das ähnlich gemacht, hab beim Monte Gozo auf dem Berg gesessen, hab abends bei untergehender Sonne auf die Stadt geschaut und bin morgens ausgeruht mit vielen anderen Pilgern in die Stadt gezogen!

Und das hat was! Das bekommst du auch nirgendwo anders so!

Glaub ich! Und für mich ist das genau so richtig!

Buen Camino