Endspurt…..?

Kein Spurt…das können die jungen Leute machen.

Haben alle Zeitdruck! 🤔😎

Ich gehe erstmal um 08:00 Uhr in die Panaderia zum Frühstück. Nur leider gibt es nur Kaffee, der Bäcker liefert erst in einer halben Stunde.

Ok, aber Café americano.

Und wer kommt rein?

Der Vermieter der Wohnung, wo ich heute übernachtet habe. Er erkundigt sich, ob alles gut war.

Smalltalk halt, aber aufmerksam, unaufdringlich, gut.

Als ich bezahlen wollte, sagt die Dame hinterm Tresen , das der Kaffee schon bezahlt ist.

Der Vermieter grinst und wünscht Buen Camino. Gracias, gracias…

Also rauf auf den Camino, beim Kaffee trinken hab ich die Massen schon loslaufen gesehen.

Es wird voll.

Noch 24 km bis zur Kathedrale.

Aber ich mach heute keinen Endspurt.

Ich stoppe 7 km vor Santiago.

Ich will morgens in die Stadt laufen, und das Ankommen genießen.

Es ist etwas frischer als sonst, die Sonne wird uns heute aber wohl wieder braten.

27 Grad sind vorhergesagt.

Die ersten Kilometer, aus Padrón raus, sind nicht sehenswert, Hauptstraße, Gewerbegebiet, Hauptstraße….

Da müssen wir durch, aber es wird noch schön werden.

Langsam zieht sich die Schaar der Pilger auseinander.

Der Weg wird besser, durch die Dörfer wird es auch interessanter.

Immer wieder mal eine der Wasserstellen, wo früher die Frauen Wäsche gewaschen haben, die Klamotten noch richtig eingeseift und über den Stein geschrubbt wurden.

Und wahrscheinlich auch der Dorf-Tratsch ausgetauscht.

🫣😂

Aber leider sieht es dann ein paar Meter weiter so aus. Immer wieder eben auch Ruinen alter Gebäude.

Neben toll sanierten Häusern, wo aufwändig die alten Steine wiederverarbeitet wurden.

In O Vilar bekam ich dann das ersehnte Frühstück.

Eine Herberge, die früher mal eine Öl-und Weinpresse war, hatte einen schönen Innenhof mit öffentlichen Café.

Mit viel Liebe hergerichtet.

Da stand auf der Wiese sogar einen richtiger Pool.

Das ist ja wohl Service, bei den Temperaturen hätte ich den als Gast auch genutzt.😎

In der Virxe da Escravitude gibt es den nächsten Stempel, hier musste ich sogar „anstehen“, soviel Pilger sind unterwegs.

Eine mächtige Wallfahrtkirche vor Santiago, mit dicken Mauern im Innern.

Sie musste wohl in der Vergangenheit ein bisschen was aushalten.

Dann wird’s schon komisch!

Hier haben wohl die Wanderschuhe eines Pilgers endgültig versagt. Musste dann mit Flipflops oder barfuß weiter.

Ja, gibt es.

Mich hat heute ein Pilger mit Badelatschen in einem Affentempo überholt.

Hut ab!

Hier waren es aber auch nur noch 18 km bis zur Kathedrale.

Nun wurde die Landschaft auch sehenswert, durch Wald und unter Wein, ging es immer weiter. Hier hat gefühlt auch jeder für den Eigenbedarf seinen Weinanbau.

Wenn die Trauben runter hängen, muss das ja wie im Paradies sein.😊😋

Das die Pilgerschaft hier zum Alltag gehört, sieht man an vielen Häusern, ab und zu stehen fliegende Händler oder Musikanten am Wegesrand.

Im nächsten Café am Weg mach ich Pause. Und es gesellt sich ein Schweizer Pärchen dazu. Wir haben uns immer wieder mal gesehen, aber die letzten Tage aus den Augen verloren. Die beiden sind in Caminha nicht mit dem Boot übergesetzt, sondern weiter gelaufen. Und haben es bereut. Der Central so voll, kaum entspannt.

Wir haben eine Stunde lang erzählt, die Pilgermassen ziehen lassen.

Auch die beiden laufen nur bis O Milladoiro, und genießen so wie ich, morgen früh den Weg in die Stadt.

Vorbei komme ich noch an der Herberge in Teo, wo Sandra und ich 2015 übernachtet haben.

Ja, sie gibt es noch und hat sich nicht verändert.

Es wird zwischendurch nochmals steinig und geht bergauf.

Aber ganz ruhig und entspannt.

Ich laufe jetzt den Pilgern hinterher. Die einstündige Pause macht sich bezahlt.😉

An der Capela do San Martiño bei Faramello steht eines der ganz alten Steinkreuze, cruceiro Rùa dos francos.

Ganz in der Nähe nochmals ein „Verpflegungsstützpunkt“.

Ein alter Opa, Hörgerät, Krückstock und das Hemd bis zum letzten Knopf zu, will mich rein lotsen. Höflich lehne ich ab, ich hatte ja gerade Pause.

Aber er hält mich liebenswürdig fest und erzählt, das JuanCarlos und auch der jetzige König Felipe schon durch sein Dorf gekommen sind.

Niedlich, wie stolz er war.

Knapp 10 km vor Santiago beginnen die Vororte, nochmal etwas Asphalt und Hauptstraße.

Aber die 3 km bis zum Hotel PAYRO sind ein Klaks.

Ich kenn es noch von 2019, und ist ein guter Startpunkt für die morgigen letzten Meter zur Kathedrale.

Ja, was sind 7 km?

Nichts!

1 1/2 Stunden und ich bin wieder mal am Ziel.

Ich freue mich, und es wird garantiert wie immer emotional.

Und das ist auch gut so!

18,4 entspannte Kilometer heute, und morgen, ja, dann der Endspurt!

Morgen kann ich sagen:

Endspurt und Zieleinlauf.

Es wird einfach nur gut.

Darum:

Buen Camino

Pilgern Deluxe…

Nachts hat der Wind stark zugenommen, WetterOnline sagt Windstärke 6, in Böen 7. 🤪🤪🤪

Na, das kann ja heiter werden.

Um 10:20 Uhr legt die „Barca de peregrinos“ im Hafen ab.

Also „lange“ schlafen….

Aber ich bin jetzt so im PilgerGeschäft drin, da ist 07:30 Uhr spät.

Frühstück gibt es heute im Hotel.

Alles schmeckt, nur Kaffee können sie nicht!

Auf dem Weg zum Hafen kehre ich nochmal in ein Café ein, bin eh viel zu früh unterwegs.

Und das erste Mal in der ganzen Zeit werde ich ignoriert, rundum wird bedient, an mir rennt der Kellner immer vorbei.

Als ich mich nach ewigen Zeiten bemerkbar machte, werde ich von der Dame hinterm Tresen angemault.

Ok, kann ich auch.

Sorry, aber ich sehe die nie wieder….

Vielleicht ist ja das Wochenende auch nicht so gelaufen….

Der Kaffee war gut, das reicht mir.

Am Fähranleger ist es voll.

Soviel Pilger wollen mit, passen die überhaupt rauf aufs Boot? 🛥️

Wenn nicht, ich würde auch den Segler nehmen.

Es passt, keiner bleibt hier zurück.

Die Wellen sind nicht so stark, nur die Pilger, die vorne standen, sind dort ganz schnell verschwunden.

Es wurde doch etwas feuchter.

Mit meinem Belgier (von gestern) sitze ich hinten an Deck und genieße den Wind, die Sonne und natürlich die fantastische Aussicht auf die Bucht.

Das Boot ist aber auch schnell unterwegs.

Nicht so schnell, wie in Caminha! 🤪

Es kurvt zwischen den Muschelzuchtanlagen hindurch, ohne viel langsamer zu werden.

Der Kapitän erklärt in Spanisch und Englisch, das Galizien nach Kanada der zweitgrößte Produzent für allerlei Muscheln ist.

Na klar, hier schwimmen massenhaft Anlagen in der Bucht.

Interessant zu sehen, wie die Fischer auf den Balken der Anlagen rumturnen. Ohne Seil und Schwimmweste.

Wahrscheinlich können Sie nicht mal schwimmen.

Ne, ne, das war ganz früher so! 🤔

Ab der Einfahrt in den Fluss Rio Ulla stehen auf beiden Seiten Kreuze auf Felsen im Wasser oder an Land, 12 insgesamt.

Und dann auch die Ruinen dreier Türme aus dem Mittelalter. Der Fluss war wohl das Tor von See aus nach Santiago, und musste deshalb extra geschützt werden.

Inzwischen ist auf dem Oberdeck Musik von Julio Iglesias an und zwei junge spanische Pilgerinnen tanzen.

Die Party geht ab.

Sie haben halt Temperament im Blut.

Mein belgischer Pilgerbruder sagt, der Kapitän hat sie gekauft! 😂😂😂

In Pontecesures kommt der Anleger in Sicht, wir haben jetzt 27 km in 2 Stunden zurückgelegt.

So schnell war ich noch nie auf dem Camino unterwegs. 🤣🤣🤣

Eine schnelle, windige, interessante Fahrt geht zu Ende.

Für mich hat sich diese Art der Fortbewegung gelohnt, ich hatte meinen Spaß.

Und es gab einen tollen Stempel für den Pilgerpass als Nachweis für die Absolvierung der Seereise, so wie der Jacob es getan haben soll.

Aber so ganz ohne Laufen geht es dann doch nicht.

Was soll ich denn so früh in Padrón.

Ich verabschiede mich vom Belgier, er läuft heute noch etwas weiter als ich.

Aber es heißt nicht umsonst, man sieht sich.

Spätestens in Santiago….

Ich mach einen Umweg über das Kloster Herbon.

In der Hoffnung, es mir anzusehen.

Nein, das Kloster ist natürlich zu, die Kirche nicht offen. Ich kann nur durch ein Gitter einen Blick ins Innere werfen. Schade.

Ok, ich kann sagen, ich war in Herbon. 😉

Aber ein Mönch spendet wenigstens den verdurstenden Pilgern frisches Wasser.

Vor und nach dem Kloster fallen mir die riesigen Kiwi- Plantagen auf.

Sie kommen ja doch nicht aus Neuseeland! 😎

Außerdem solche komischen Früchte, die schon reif sind.

Musste das erstmal googeln:

Loquats/ im spanischen: Nisperos, sind es, schmecken hier süß-säuerlich.

Hab mich aber nicht getraut, sie zu pflücken.

Nach 7 km kommt dann das heutige Ziel, Padrón in Sicht. Mehr als überschaubar, aber bekannt für die Iglesia de Santiago und das Convento do Carme.

In Padrón wurde der Legende nach, der Leichnam des Apostel Jacobus an Land gebracht.

Dadurch wurde es zum Ausgangsort der Wallfahrt der Pilger von See aus nach Santiago.

Also schon sehr geschichtsträchtig.

Ach ja, die Römer waren natürlich auch da. 😂

Außerdem ist der Ort für die Pimentos de Padrón berühmt.

Und die sind hier echt lecker.😉😋😋

Es waren also laut Komoot heute 34,6 km. Bin ich gut! 🤣

Aber es hat sich gelohnt, das Boot zu nehmen.

Eine schöne Fahrt mit der Barca, so wie viele Pilger es in alten Zeiten schon gemacht haben.

Das ist also auch Pilgern!

Morgen geht’s nach O Milladoiro.

18 km sind zu laufen, ehe es Mittwoch früh nach Santiago de Compostela zur Kathedrale, dem ersehnten Ziel der Pilger geht.

Ich freue mich und sage wieder…

Buen Camino

Weg des Wassers….

Heute stehen 24 km bis Vilanova de Arousa auf dem Plan.

Und sonniges Wetter mit bis zu 27 Grad.

Es wird also hot!🔥

Aber erstmal geht es bergabwärts, immer entlang eines Baches, und kurz nach 08:00 Uhr sind schon eine Menge Pilger unterwegs.

Der Espiritual ist ja ganz gut gekennzeichnet, manchmal, wie hier, speziell.

Wenn du hier falsch abbiegst, ist dir nicht mehr zu helfen.

Die heutige Route wird auch Ruta da Pedra de auga genannt. ( in etwa Weg des Wassers, oder Wassermühlen).

Immer den Bach runter hab ich mindestens 12 kleine und große uralte Wassermühlen gezählt.

Und das in traumhafter Natur. Das läuft sich super und ist erfrischend.

Immer wieder kleine „Wasserfälle“, die Handycamera wird echt gequält.😉

Das ist doch mal ein schöner Weg.

Und damit er schön bleibt, brauch ich ein kleines Frühstück. Und jetzt zahlt sich das frühe Loslaufen aus.

In meiner Nobelherberge gab’s auch welches, aber 9€, soviel kann ich gar nicht essen.

Die erste Raststätte nach 5 km ist noch nicht überfüllt, ich hab mir Tostarda mit Tomate und Olivenöl bestellt.

Und das Schauspiel kann beginnen.

Die schon bekannten Figuren (Pilger) tauchen auf.

Auch die kleine Italienerin (sorry Sandra 😍) und drei bayrische Mädels.

Sagt die eine: ja mei, das Sackerl ist jetzt scho schwer.

Ich grinse sie an!

Sagt sie, schau her, a Deutscher!

Schon waren wir im Gespräch.🤣

Und dann wurde es doch echt voll.

Es ist Sonntag und die Spanier gehen auch frühstücken.

Ich hab schnell aufgegessen und das Weite gesucht.

Weiter geht’s entlang des Baches, immer noch im Schatten.

An den offenen Stellen hab ich aber schon gemerkt, wie die Sonne unbarmherzig brennt.

Aber es läuft gut auf Holzstegen und Sandboden.

Vorbei an den Plantagen mit Wein, wo die Reben sind schon zu erkennen sind.

Ich wechseln über einen kleinen Fluss, bin im Tal angekommen. Und der Schatten ist weg. Schwitzen ist angesagt.

Immer wieder kleine Äcker mit Paprikapflanzen, Kartoffeln, Zwiebeln und Salat.

In einem kleinen Dorf eine Bar, voll mit Einheimischen.

Wieder ein Schauspiel, lautes Lachen und Lamentieren, Bier und Wein bis zum Abwinken.

Die Wirtin läuft mit der Rotweinflasche rum und fühlt immer nach.

Wie rechnet sie das ab? 🫣

Krass ist auch , viele haben ihr Auto vor der Bar stehen, sind fertig, steigen ein und weg sind sie! Alter Falter.

(Sandra sagt, die Polizisten sitzen in Zivil auch in der Bar und trinken mit).🤪

Nach weiteren Kilometern könnte ich gut eine Abkühlung gebrauchen, aber auf die Sandbank im Fluss hab ich mich doch nicht getraut.

Abkühlung gab’s in der Capela de san Pedro de Mouzos.

Dort hatte ein Pater Dienst.

Nachdem er sah, das ich zwei Kerzen 🕯️ angezündet hatte, verwickelte er mich ins Gespräch und erzählte mir in Englisch was von Maria und Jesus.

Überhaupt nicht aufdringlich, einfach gut.

Er wollte sogar ein Bild machen von mir in der Kirche, damit ich mich erinnere. Wenn ich das richtig verstanden habe!

Und sein „Buen Camino“ war wie ein Segen. Toll!

Der Weg zog sich unter Spaniens Himmel elend lange hin, ein Belgier bat mich, ihn am Kreuz zu fotografieren, und schon wieder war ich im Gespräch.

Auch ein erfahrener Pilger, und wir hatten uns seit Porto schon ein paarmal gesehen.

Was für eine Quälerei war das zum Schluss.

An der Bucht entlang, die letzten 2 km wollten in sengender Hitze nicht enden.

Aber am Hafen in Vilanova waren fast 24 km geschafft.

Und der Wegweiser sagt: 56 km bis Santiago!

Ich komme…

Morgen wird es aber definitiv ruhiger, ich fahre mit der „Barca de peregrinos“ bis kurz vor Padron entlang der Bucht und auf dem Fluss.

Und meine Füße können das gut gebrauchen.

Ein wenig Erholung.

Nach Einschecken in der Unterkunft, einer ordentlichen „Wartung und Pflege„ und anschließender Ruhepause, hab ich mich noch mal aufgerafft.

Ich hatte doch was von Chipriones gelesen! Dem konnte ich nicht widerstehen.

Und wen treffe ich im Lokal ? Den Belgier.

Ich setze mich dazu, und bestelle mir Clara con limon und eben Chipriones !

Die Kelnerin: Clara si, Chipriones no!

Küche erst wieder 19:30 Uhr!

Ich hab wohl so verhungert ausgesehen, das sie 5 Minuten später mit einem großen Teller voll mit lecker Chipriones extra für mich kam.

Der Belgier wollte sich wegschmeißen.🤣🤣

O-Ton Sandra: nun ist gut, da lass ich dich nicht mehr hin, muss ja Angst haben, das du nicht wieder kommst! 🤣🤣🤣

So hatten der Belgier und ich noch nettes, interessantes Gespräch.

Und morgen sieht man sich, auf der „ Barca“.

Fazit heute : bei 24 km und Hitze, am Limit, aber angekommen.

Und schön war’s!

Darum auch heute wieder,

Buen Camino