Na dann hoch da….

Sonnabend früh in Pontevedra sind nur Pilger und Kehrmaschinen in der Altstadt unterwegs.

Gestern Abend ging wiedermal die Party ab.

Am Hotel ein Restaurant, total voll, erst essen und trinken, dann tanzen und lauthals singen.

Die Spanier wissen, was gut für sie ist!

Und deshalb die kleinen Kehrmaschinen, putzen die Hinterlassenschaften der Nacht weg.

Und polieren die eingelassenen Schilder im Gehweg.

Wir sind hier auf der Via Romana XIX.

Ich sag doch, die Römer sind überall, die Plage.🤪🤪🤪

Ich bin heute Morgen extra zur Basilika einen Umweg gelaufen, aber Nix da, sie ist geschlossen. Da hat der Priester wohl mitgefeiert. 🤣

Egal, ich hatte sowieso nicht vor, genau nach Plan zu laufen.

Der linke Fuß ist noch etwas geschwollen, also nehme ich Druck raus und kürze geringfügig ab und erspare mir ein Stück Asphalt zu laufen.

Dachte ich !

Es geht über die Puente de la Barca in Richtung Poio, wo ich den Camino Espiritual erreiche.

Von dort geht’s am Ufer der Ria de Pontevedra wunderschön auf einer Strandpromenade und einem Sportplatz in Richtung Combarro.

Auf dem Sportplatz ist schon ordentlich was los.

Fußballspiel zwischen zwei Kinder-Mannschaften.

Das Geile war aber der Getränke- Versorgungsstand für die Eltern : ein Riesen Plakat mit „Octubrefest Pontevedra“

Und das in Blau-Weiß. Ha, Ha, klasse Gag.

Die Kinder machen Sport und die Eltern trinken Bayrisch-Cerveza.🤪

Inzwischen sind es 20 Grad und windstill.

Was soll das werden? Die Vorhersage sagt bis 27 Grad.

Aber traumhaft sieht es aus.

In Combarro geht’s am scheinbar manchmal überfluteten Weg zum Hafen, ich will den Koffeingehalt meines Körpers nochmal ordentlich auffüllen.

In diesem kleinen Fischerdorf steht gefühlt an jeder Straßeneinmündung ein Kreuz. Zum Hafen runter sind Gassen eng, alles ist sehr gepflegt.

Aber dort werde ich enttäuscht, kein Café auf.

Was soll denn das heute werden?

Dann gibt es eben Wasser, Banane und Müsliriegel und Beine baumeln an der Hafenkante.

Zurück am Camino, ich wusste ja was kommt, geht’s steil bergauf durch das Dorf, aber richtig steil. Sowas von steil!

Wer sucht so eine Route aus?

Leider gibt’s keinen anderen Weg, oder der andere Weg ist zu weit. Aber die Bemalung stimmt.

Sonne, kein Wind, der Schweiß fließt in…..

Unglaublich, das nimmt kein Ende. Das schlimme, die nächsten 8 km bleibt das so.

Oberhalb des Dorfes dann mal ein Lichtblick.

Ein „Pilgerservicepoint, einfach eine Tiefkühltruhe mit gekühlten Getränken. Wie geil!

Nimmt sich jeder gegen Donativo raus, was er braucht!

Automatisch kommt man ins Gespräch, lustig, wie alle gleich stöhnen über den Anstieg. Und das Ende ist noch nicht abzusehen.

Im Wald wird es dann angenehmer mit der Temperatur und der Anstieg auf den Serpentinen ist nicht mehr so steil. Außerdem ist es immer wieder ein toller Ausblick auf die Bucht.

Von da unten kommen wir!

Ich bin dann in meinem Trott, und wundere mich, warum es so ruhig ist. Die kleine Italienerin hinter mir weit und breit nicht zu sehen. Komisch.

Ja, der Pilgerführer sagt, falsch gelaufen.

Na ich lauf doch jetzt nicht ein paar 100 Meter wieder runter, um dann wieder rauf zu gehen! Nix da.

Tante Google hilft, ich musste nur ca 1 km quer laufen und bin wieder auf dem Pilgerweg.

Gemacht getan, erstmal musste ich aber an einer öffentlichen Hundeauffangstation vorbei.

Ein Glück, die hatte einen massiven Zaun.

Die Hunde haben mich „gebührend“ begrüßt.🫣

Immer weiter, immer weiter.

Und nun kommt es.

Ich bin wieder auf dem Camino und sitze schon ein paar Minuten auf einem kleinen Rastplatz, esse und trinke was.

Kommt die kleine Italienerin an und staunt. Sie hatte noch hinterher gerufen und ich hab nicht reagiert.

Und bin vor ihr da? 😎

Es war also kein Umweg.

Inzwischen war der Berg aber auch bezwungen, flach oder etwas abschüssig ging’s dem Ziel entgegen.

Das Ziel des nächsten Tages war schon in der Ferne zu erkennen.

Und es wurde noch mal spannend, irgendwie stimmte hier tatsächlich die Wegführung nicht.

Der Weg war so steil und steinig, ich bin einmal dermaßen abgerutscht, das hätte es gewesen sein können.

Nichts ist passiert, der junge Eukalyptus Baum, an dem ich mich festgehalten habe, hat standgehalten.

Ich glaub, irgendwann haben Pilger die Serpentine abgekürzt, und dann hat sich das als echter Weg verselbstständigt. Ich bin einfach die Serpentine gelaufen und kam auch am ersten Café des Weges an. 😎

Voll war das Café, einige Pilger, aber auch Einheimische, die das Wochenende genießen.

Gegenüber das Kloster A Armenteira, wo ich auch gerne übernachtet hätte. Aber da hätten sie mich wohl nicht haben wollen.

Auf dem Parkplatz fette Ferrari, Porsche Panamera, Mercedes.

Das will ich auch nicht!

Ich laufe lieber 2,5 km in meine heutige Luxusunterkunft für 76€.

Ich komme an den anderen Herbergen vorbei, eine Menge Koffer davor, na klar, completto!

Ich hab keine Fragen mehr.

Aber die Villa heute ist extra top. Super ausgestattet.

Und mit 10 oder 12 Apartments voll ausgebucht.

Und die bekannten Gesichter sind dabei.

Man sieht sich immer wieder. 😉

Fazit des Tages: anstrengend, schweißtreibend, schön.

20,6 km, der Fuß hält, danke.

Die müssen aber auch was leisten, die beiden Füße.😎

Morgen geht es über 22 km größtenteils bergab nach Vilanova de Arousa.

Dem Atlantik entgegen.

Es wird Pulpo geben! 😎😎😎 Das ist mal klar.

Darum für heute…

Buen Camino

O la la….

Die Nacht war etwas unruhig, der letzte Pilger kam um 21,30 Uhr, die LKW donnerten bis spät an der Herberge vorbei.

Morgens ab 05:00 Uhr wieder LKWs, na, das brauch ich nicht jeden Tag.

Das heutige Streckenprofil ließ schon bisschen was erahnen.

Sofort ging es bergauf, und das nicht zu knapp.

2 km immer aufwärts, ohne Unterlass.

Wiedermal Frühsport.

Auch war der Weg gut gefüllt mit Pilgern, kein Wunder, wenn 2 Varianten aufeinander treffen. Aber da alle mit sich zu tun hatten, war’s recht ruhig. 😉

An einer Herberge am Berg haben sich wieder viele Pilger verewigt, oder unnötige Kilo‘s vor dem Aufstieg abgelegt. Für Souvenir- Jäger genau richtig.

Immer mal hingen solche Schaukeln in den Bäumen zum ausruhen. Hab aber niemanden gesehen, der sie ausprobiert hat.

Ich hatte jedenfalls kein Vertrauen in die Seile.

Der Weg an sich ist top, mal Waldboden, mal geschottert, gut für die Füße.

Und wieder eine tolle Aussicht auf die Ria Vigo.

Da hab ich doch gestern ein wenig geflunkert. Sie reicht sogar 35 km bis nach Arkade ins Inland, nicht nur bis Cesantes. Sorry!

Inzwischen hat sich die Pilgerkarawane etwas auseinander gezogen. Auch meine Geschwindigkeit ist deutlich gesunken. Zwischendurch war ich mal bei nur 3,5 km/h.🫣

Und der Weg hinab nach Arkade wird steinig.

Ja, nach dem Aufstieg kommt der Abstieg. Und der kann genauso anstrengend sein.

Hier merke ich des erste Mal ein unangenehmes Ziehen im linken Fuss. 🤔🤔🤔

In Arkade geht’s über die Ponte Sampaio, eine alte römische, einspurige Brücke. Ich freue mich auf das erste Café unterwegs.

Ich werde enttäuscht, das Café A Romana gibt es nicht mehr. Hier konntest du beim pausieren schön die anderen Pilger beobachten.

Diesmal leider nicht. Schade.

Der nächste Aufstieg kündigt sich an, diesmal wird es richtig steinig.

Man kann noch die Spurrillen in den Steinen von den Ochsenkarren erkennen, so alt ist der Weg.

Kaum vorstellbar, was das für eine Plackerei gewesen sein muss.

Auch hier komm ich irgendwann schweißnass oben an, und da steht dann im Wald ein als Verkaufsstand umgebauter LKW.

Ich bin happy.

Eine Pause hab ich mir verdient.

Hier staut sich die Pilgerschar natürlich auch wieder auf.

Sehen halt alle etwas geschafft aus.

Und natürlich gibt es hier oben auch Verrücke.

Die Radpilger mit ihren Moutainbikes und E-bikes.

Irre, ich wäre kein Meter hier hoch gefahren!

Runter geht’s natürlich auch wieder durch den Wald, die Zivilisation hat uns langsam wieder

Es geht eine Zeit lang durch kleine Dörfer, vorbei an der Capela Santa Marta.

Und die war tatsächlich offen, wo es dann einen schönen Stempel gab.

Im Tal gibt es auch mal eine schön dekorierte Ruine , die den Pilgern das Ziel, die Kathedrale in Santiago zeigt.

Es geht entlang eines kleinen Flüsschen langsam aber sicher nach Pontevedra, die letzten 2 km sind echt angenehm zu laufen.

Bei 23 Grad ist es unter den Bäumen erfrischend kühl.

Und dann am Ziel bin ich echt geschafft.

Es waren nur 17 km, bei durchschnittlich 4,4 km/h.

Der Weg fordert heute seine Tribut.

Ich mach außer Vorbereitung für morgen nichts mehr.

Außerdem bereitet mir mein linker Fuß oberhalb des Knöchels etwas Sorge.

Da muss halt Sandras Super- Salbe zum Einsatz kommen.

Nix Ernstes, morgen geht es weiter, und wieder stramm bergauf.

Nach Silvan, auf der Route Espiritual.

In A Armenteira gab es morgen kein passendes Quartier mehr.

Alles completto.

Egal, ich muss nicht unter der Brücke oder in der Bushaltestelle schlafen. 🤣

Der Wetterbericht sagt weiterhin Sonne an, und für Pontevedra morgen 27 Grad.

Na dann morgen früh rechtzeitig los, in den Wald und die Berge.

Wasser und Verpflegung hab ich noch erledigt.

Darum:

Buen Camino

Adios da Costa…

Heute geht es raus aus Vigo erstmal mit Frühsport los.

Es geht tatsächlich 3,2 km immer bergauf, das fängt ja gut an.

Der Frühstückscafe zwischendurch gibt mir eine kleine Atempause. Aber so ein Anstieg gleich am Morgen ist echt Frühsport.

Mit der Aussicht in die Bucht von Vigo werde ich aber entschädigt.

Der Weg führt weiter durch die Vororte oberhalb der Stadt.

Und er ist jetzt so halbwegs eben.

Es blüht ordentlich, riecht frisch und vor allem nicht nach Abgasen.

Der Verkehr in Vigo ist schon heftig.

Und immer wieder gibt es eine neue Aussicht auf die Bucht.

So langsam verlasse ich den Português da costa.

Für 2 Tage geht es etwas ins Inland, auf den Português central.

Der Wegweiser zeigt inzwischen 95,6 km bis Santiago an.

Da könnte einer auf die Idee kommen, das sind doch nur noch 4 Tage bis zum Ziel.

Ne, ne, ne, nicht für mich.

Übermorgen, nach Pontevedra, biege ich auf den Camino Espiritual ab.

Der schlägt einen kleinen Bogen in Richtung Meer und kommt in Padron wieder auf den Central.

Ich will einfach nochmal Boot fahren. 😎

Ich brauche halt etwas Abwechslung, bin den Português Central ja schon zweimal gelaufen.

Das in den Dörfern immer wieder mal was Maritimes steht, habe ich inzwischen mehrfach zum Besten gegeben, hier nun 2 Anker oben auf dem Berg.

Warum auch immer?🤔🫣

Im letzten Dorf noch eine „Versorgungsstelle“.

Die ist gut gefüllt mit den Pilgern. Bar oder Café kann man dazu nicht sagen, Café aus dem Automaten, (schmeckt aber trotzdem), und allerlei Kleinkram bietet die Frau des Hauses an.

Ihre Freundin hat gemerkt, wo ich herkomme.

Und hat mich gleich ins Gespräch verwickelt.

Ist eine Spanierin aus Vigo, die in Düsseldorf lebt, also auf Heimaturlaub.

Die sprach so perfekt Deutsch, ich hätte gleich gesagt, sie kommt aus dem Ruhrpott.

So kann man sich täuschen. 😎

Dann ging es durch den Wald, immer oberhalb und auf geschottertem Weg.

Super, wie das „löpt“.

So herrlich schattig.

Mal ein kleiner Wasserfall, dann wieder ein Ausblick auf das Tal.

So kann es von mir aus weitergehen.

Mal ein Farbtupfer eines Künstlers…

Mal einfach nur Wald und echt ein bisschen Ruhe zum umher sinnieren über Gott und die verrückte Welt.😉

Santiago ist nicht fern, dem Pilger wird auf verschiedene Art Hoffnung gemacht.

Aber bei dem Weg und dem tollem Wetter (23 Grad) 🤪 wird wohl kaum einer trübsinnig sein.

Ich jedenfalls nicht, ich genieße.

Na ja, aber hier laufen auch schon mal komische Gestalten rum, jeder halt so, wie er es mag.

Wenn ein „zerrupfter“ Pilger im Wald die anderen anbettelt, ist das schon komisch.

Wenn es überhaupt ein Pilger war. 🤔

Die Bucht von Vigo ist wie ein Fjord, reicht ewig ins Inland, und endet am heutigen Ziel in Cesantes. Darum auch solch eine große Brücke.

Die Aussicht auf Cesantes täuscht gewaltig.

Es sind hier noch 9 km. Einmal rum um die Bucht.

Inzwischen habe ich lautstarke Begleiterinnen, zwei Ukrainerinnen, die wohl halb Russland und die Ukraine unter sich aufgeteilt haben.

Lautstark, sabbeln ohne Unterlass. Schrecklich!

Im Vorort von Redondela will ich in ein Café, was machen die beiden? Natürlich auch rein da.

Da hab ich auf dem Absatz kehrt gemacht und bin wieder raus. Ne!

Ich sollte noch dafür belohnt werden.

Redondela ist im Altstadtkern ganz niedlich, enge Gassen und sanierte Häuser. Ich mag das. Hat irgendwie Charme.

Und nun gibt es in der Iglesia de Santiago auch mal wieder einen schönen Stempel, nachdem gestern in Vigo jede Kirche geschlossen war.

Und unverkennbar sind die Insignien des Jacobus am Kirchenportal.

Muschel, Kreuz und die Kalebasse.

Und am kleinen Markt gab’s die Belohnung für vorhin.

Ich habe nur einen Cafe americano bestellt, und bekomme dies.

Für ganze 2 €.

Cool!

Oder sah ich so geschafft aus?

Klar bin ich nach 19 km zu Fuß, mit Gepäck auf dem Rücken geschafft.

Aber in den meisten Fällen auch sehr zufrieden.

Auf dem Weg zur Herberge in Cesantes finde ich in einem Vorgarten die ersten Mandeln, natürlich noch nicht reif.

Sogar Feigen sind schon zu sehen.

Aber für die bin ich noch viel zu früh hier.

Leider.😖

Und Sandra gibt mir garantiert keine Verlängerung! 😍

Unterkunft habe ich heute in einer richtigen Albuerge, (Herberge), hier waren Sandra und ich schon 2015.

Sie ist immer noch top in Schuss.

Nur Maria, die Deutsch spricht, ist heute nicht da.

Bisher sind wir erst 7 Pilger, voll belegt wird die Herberge also wohl nicht.

Aber Ohropax liegt trotzdem schon bereit. 🤣

Morgen geht es auf dem Camino português central bis nach Pontevedra, 19 km Wegstrecke Bergauf und ab. Und das sonnige Wetter hält weiter an!😎

Ich bin gespannt…

Heute geht das Licht logischerweise früher aus als sonst!

Darum:

Buen Camino