Santiago-Camino frances-Santiago….

Was ist denn nun los, war doch fertig?

Weiter geht’s mit Pilgern?

Nur ein ganz bisschen! 😎

Nachdem ich den Mittwoch ganz für mich hatte, habe ich gestern ja auf unsere belgischen Freunde Malou und Jean gewartet.

So bin ich vormittags mit dem Stadtbus nach San Marcos rausgefahren, zum Monte Gozo.

Dort habe ich 2014 in der Herberge der katholischen Kirche übernachtet.

Wenn der Pilger vom Camino Frances kommt, sieht er dort das erste Mal die Türme der Kathedrale.

Und dort oben steht auch ein Pilgerdenkmal, was einfach alles über den Ort aussagt.

Die Freude, daß das Ziel nah ist, und die Strapazen ein Ende haben werden.

Ein schöner Ort, und dort hab ich gestern meine ersten Pilger mit Pferd getroffen.

Es gibt sie also doch noch!

Von da bin ich zurück noch ein kleines Stück auf dem Camino Frances gepilgert.

Ohne volles Gepäck, Pilgern Deluxe halt.

Ich hatte ein Dejavu nach dem anderen.

Den Weg kannte ich immer noch, obwohl ich schon 2014 dort gelaufen bin.

Witziger Weise bin immer vor unseren Freunden hergelaufen, ohne zu wissen, wo sie gerade sind.

Ich hab schon vor der Kathedrale gesessen und die Pilger beobachtet, als dann die Meldung kam, wir haben noch einen Kilometer.

Die Freude war natürlich riesig. Es war nicht von vornherein abgesprochen, das wir so kurz aufeinander von verschiedenen Caminos in Santiago ankommen.

Die beiden waren mit 2 Freundinnen unterwegs auf dem Norte, Primitivo, und dem Frances.

Das wir uns dieses Jahr in Santiago treffen, war einfach Fügung.

Wir haben uns zusammen am Platz ein Café gesucht, auf unser Wiedersehen angestoßen, lange erzählt.

Und uns zum Abend zur Messe in der Kathedrale und anschließend zum Abendessen verabredet.

Bis dahin hab ich Sightseeing gemacht, Eis gegessen und Kaffee getrunken.

Und die Chance genutzt, die Kathedrale außerhalb der Messen und vor allem nicht überfüllt zu genießen.

Dabei habe ich dieses Glasfenster in der CorticelaCapela gesehen.

Für mich ein Baum des Lebens, gezeichnet von der Zeit, knorrig, mit wenigen Blättern.

Aber ich erkenne auch Jesus am Kreuz.

Eine tolle moderne Glasmalerei.

Und passt in den ältesten Teil der Kathedrale absolut rein.

Unserer Treffen zum Abendessen wurde feuchtfröhlich (wir waren nicht betrunken)🤣 mit tollem Essen.

Ich kannte das Restaurant vom 2019, dort hatte ich mit Wolfgang und Anton unser Abschiedsessen, wurde nicht enttäuscht.

Was für ein Abend, klasse.

Und ich war erst um 22:30 Uhr im Hotel.

Ein Glück, ich muss erst morgens um 10:00 Uhr am Busbahnhof sein.

Da waren die Belgier schon auf dem Weg nach Porto zum Airport.

Für mich ging es heute nach Fisterra.

Wieder ans Meer 🌊!

Die Busfahrt, sage und schreibe 3 Sunden,(für 7€), wieder ein Erlebnis.

Sowohl von der Landschaft, als auch wegen der Fahrkünste der Busfahrer.

Mir standen stellenweise die Haare zu Berge.

Immer nach der Devise, wer bremst verliert!

Ich hätte 6 Stunden gebraucht, oder wäre irgendeinen Abhang ins Meer gestürzt!😂🤣😂🤣

Auch das Wetter spielt mit. War nicht Regen angesagt?

Das nutze ich schamlos aus und laufe mit Handtuch zum Strand.

Ja, ich habe es wieder getan!

Bin nochmals im Atlantik abgetaucht.

Und ich war nicht der Einzige, also war’s auch nicht wirklich kalt.

Google sagt 14-15 Grad Wassertemperatur an.

Egal, geniessen…..

Was ich nicht gefunden habe, sind die Pilgermuscheln. Alles ist abgesammelt.

Ich wollte doch meine Reserven zuhause auffüllen?

Egal, den hier hab ich gefunden. Da war doch was …

Und zum Abschluss gönn ich mir Tinto de verano, das kannte ich noch nicht.

Absolut lecker!

Wird jetzt wohl mein Sommergetränk.

Ach ja, die Schweizer hab ich am Hafen auch noch getroffen.

Sie sind seit Mittwoch abends hier, es war ihnen in Santiago zu voll. 😎

Der weitere Plan:

Morgen ist noch mal Ruhetag, ich laufe mittags aber zum Cap Finistere und genieße vom „Ende der alten Welt“ die Aussicht auf den Atlantik.

Ansonsten alles ganz in aller Ruhe, ein Café, ein Eis, abends in der „Bar Pirata“ Pulpo bis zum Abwinken.😎

Ein paar Tage sind es noch bis zur Abreise, ich gehe nochmals 2 Tage Pilgern, von Fisterra nach Muxia, und dann entscheide ich spontan, wie ich nach Porto zurück fahre.

Bis dahin also wieder….

Buen Camino

Am Ziel….

Heute morgen kann ich von Endspurt reden.

04:30 Uhr bin ich das erste Mal wach, ist das etwa Aufregung?

Nein, überhaupt nicht!😉

Ich bin um 08:00 Uhr im Café gegenüber, mich hält Nichts und Niemand mehr auf.

Und 6-7 km sind ja auch keine Entfernung.

Es dauert nicht lange, die Türme der Kathedrale sind am Horizont gut zu sehen.

Ich sag mir, Alter bleib ruhig. Aber das ist leichter gesagt als getan.

Emotionen halt.

Ich komme jetzt das 6.Mal in Santiago an, immer wieder muss ich mich zusammenreißen.

Die Hinweise „verdichten“ sich, es ist nicht mehr weit.

Allerlei komische hängengebliebene Pilger grüßen am Straßenrand.

Und die ersten Souvenirverkäufer bieten Nippes an.

Der Weg durch die Altstadt ist kurz und schon stehe ich am Ziel.

Das kann ich so gar nicht beschreiben.

Emotionen, ich muss mich zusammenreißen, gelingt mir aber nicht so gut.

Wie jedesmal….

Immer wieder cool, ergreifend, ich weiß ja auch nicht, ob ich das noch mal erleben werde oder kann.

Deshalb mach ich sowas dann halt einfach, und sag nicht „morgen“.

Manchmal zum Leidwesen von Sandra. 😍

Am Stein mit der Pilgermuschel musste ich mir mein Beweisfotos „ erkämpfen“.😂

Steht dort eine große Reisegruppe im Kreis um das Objekt der Begierde der Pilger, und läßt sich die Kathedrale von einer Stadtführerin erklären.

Können die nicht 10 Meter weiter stehen?😎

Hab mich einfach in den Kreis gedrängt und mein Foto gemacht. 🤣🤣🤣🤣

War für sie aber auch kein Problem!

Der Platz vor der Kathedrale füllt sich langsam, frühes Ankommen wird belohnt. Ab mittags ist der Platz gerammelt voll von Pilgern.

Ich setze mich auf den Boden, genieße die Stimmung und das Schauspiel des Ankommens der Pilger.

Einfach schön anzusehen.

Die Ausrüstung hat gehalten, die Füße auch, Blasen haben mich nicht in die Knie gezwungen.

Es ist alles richtig, alles gut,

nach 15 Tagen zu Fuß!

Ein erster Kaffee im Café Casino, ich liebe das Flair dort einfach. Und dann gebe ich meinen Rucksack im Hotel zur Aufbewahrung ab.

Denn um 12:00 Uhr ist die offizielle Pilgermesse in der Kathedrale. Da dürfen aus Sicherheitsgründen keine Rucksäcke mehr mit rein. Am Eingang wird alles penibel kontrolliert.

Die Messe must du als Pilger einfach erleben und feiern. Wer hier trockene Augen behält, hat irgendetwas falsch gemacht.

Mich hat es, wie jedesmal, nicht kalt gelassen, meine Augen waren definitiv nicht mehr trocken. Ich werde jetzt hier echt belohnt .

Abendmahl in der Messe, na klar, gehört absolut dazu, und ich bin bis jetzt immer nach vorne gegangen.

Auch wenn ich nicht katholisch, sondern evangelisch getauft bin.

Was macht den Unterschied?

Und zum Schluss wird doch wahrhaftig das Botufumeiro geschwungen, ein großer Weihrauchkessel.

Was für ein Glück. Und das haben sich all die Pilger verdient .

Es ist wie immer ein Spektakel.

Das schon im ersten Gottesdienst.

Gesund und munter angekommen, kein Regen auf dem Weg und beim Einzug in Santiago, Pilgergottesdienst mit Abendmahl und Botufumeiro, ich bitte euch, was will ich mehr.

Mehr geht nicht!

Zum Schluss bin ich noch in der Gruft an den Gebeinen des heiligen Jacobus vorbei gegangen, hab über dem Altar seine Büste umarmt, und mich bedankt für die Begleitung auf dem Weg hierher.

Ab jetzt bin ich als Tourist unterwegs….

281 km Pilgerschaft auf dem Camino português da costa.

Eine sehr gute Entscheidung. landschaftlich sehenswert, ich habe interessante Menschen kennengelernt, im Atlantik gebadet, Pulpo gegessen.

Ein Highlight waren die Bootsfahrten.

Eine tolle Zeit.

Morgen treffe ich unsere belgischen Pilgerfreunde Malou und Jean hier in Santiago.

Und dann hoffentlich auch in den nächsten Tagen, nach etlichen Jahren, Margitta und Werner aus Österreich.

Alle zur gleichen Zeit auf den Caminos.

Wie sich das alles manchmal fügt.

Am Freitag geht es für mich mit dem Bus bis Sonntag nach Fisterra, an das Cap Finistere, und nächste Woche noch nach Muxia.

Schlussendlich am 08.05. von Porto wieder nach Hause.

Jetzt heißt es erst einmal Santiago genießen.

Darum nochmal

Buen Camino

Endspurt…..?

Kein Spurt…das können die jungen Leute machen.

Haben alle Zeitdruck! 🤔😎

Ich gehe erstmal um 08:00 Uhr in die Panaderia zum Frühstück. Nur leider gibt es nur Kaffee, der Bäcker liefert erst in einer halben Stunde.

Ok, aber Café americano.

Und wer kommt rein?

Der Vermieter der Wohnung, wo ich heute übernachtet habe. Er erkundigt sich, ob alles gut war.

Smalltalk halt, aber aufmerksam, unaufdringlich, gut.

Als ich bezahlen wollte, sagt die Dame hinterm Tresen , das der Kaffee schon bezahlt ist.

Der Vermieter grinst und wünscht Buen Camino. Gracias, gracias…

Also rauf auf den Camino, beim Kaffee trinken hab ich die Massen schon loslaufen gesehen.

Es wird voll.

Noch 24 km bis zur Kathedrale.

Aber ich mach heute keinen Endspurt.

Ich stoppe 7 km vor Santiago.

Ich will morgens in die Stadt laufen, und das Ankommen genießen.

Es ist etwas frischer als sonst, die Sonne wird uns heute aber wohl wieder braten.

27 Grad sind vorhergesagt.

Die ersten Kilometer, aus Padrón raus, sind nicht sehenswert, Hauptstraße, Gewerbegebiet, Hauptstraße….

Da müssen wir durch, aber es wird noch schön werden.

Langsam zieht sich die Schaar der Pilger auseinander.

Der Weg wird besser, durch die Dörfer wird es auch interessanter.

Immer wieder mal eine der Wasserstellen, wo früher die Frauen Wäsche gewaschen haben, die Klamotten noch richtig eingeseift und über den Stein geschrubbt wurden.

Und wahrscheinlich auch der Dorf-Tratsch ausgetauscht.

🫣😂

Aber leider sieht es dann ein paar Meter weiter so aus. Immer wieder eben auch Ruinen alter Gebäude.

Neben toll sanierten Häusern, wo aufwändig die alten Steine wiederverarbeitet wurden.

In O Vilar bekam ich dann das ersehnte Frühstück.

Eine Herberge, die früher mal eine Öl-und Weinpresse war, hatte einen schönen Innenhof mit öffentlichen Café.

Mit viel Liebe hergerichtet.

Da stand auf der Wiese sogar einen richtiger Pool.

Das ist ja wohl Service, bei den Temperaturen hätte ich den als Gast auch genutzt.😎

In der Virxe da Escravitude gibt es den nächsten Stempel, hier musste ich sogar „anstehen“, soviel Pilger sind unterwegs.

Eine mächtige Wallfahrtkirche vor Santiago, mit dicken Mauern im Innern.

Sie musste wohl in der Vergangenheit ein bisschen was aushalten.

Dann wird’s schon komisch!

Hier haben wohl die Wanderschuhe eines Pilgers endgültig versagt. Musste dann mit Flipflops oder barfuß weiter.

Ja, gibt es.

Mich hat heute ein Pilger mit Badelatschen in einem Affentempo überholt.

Hut ab!

Hier waren es aber auch nur noch 18 km bis zur Kathedrale.

Nun wurde die Landschaft auch sehenswert, durch Wald und unter Wein, ging es immer weiter. Hier hat gefühlt auch jeder für den Eigenbedarf seinen Weinanbau.

Wenn die Trauben runter hängen, muss das ja wie im Paradies sein.😊😋

Das die Pilgerschaft hier zum Alltag gehört, sieht man an vielen Häusern, ab und zu stehen fliegende Händler oder Musikanten am Wegesrand.

Im nächsten Café am Weg mach ich Pause. Und es gesellt sich ein Schweizer Pärchen dazu. Wir haben uns immer wieder mal gesehen, aber die letzten Tage aus den Augen verloren. Die beiden sind in Caminha nicht mit dem Boot übergesetzt, sondern weiter gelaufen. Und haben es bereut. Der Central so voll, kaum entspannt.

Wir haben eine Stunde lang erzählt, die Pilgermassen ziehen lassen.

Auch die beiden laufen nur bis O Milladoiro, und genießen so wie ich, morgen früh den Weg in die Stadt.

Vorbei komme ich noch an der Herberge in Teo, wo Sandra und ich 2015 übernachtet haben.

Ja, sie gibt es noch und hat sich nicht verändert.

Es wird zwischendurch nochmals steinig und geht bergauf.

Aber ganz ruhig und entspannt.

Ich laufe jetzt den Pilgern hinterher. Die einstündige Pause macht sich bezahlt.😉

An der Capela do San Martiño bei Faramello steht eines der ganz alten Steinkreuze, cruceiro Rùa dos francos.

Ganz in der Nähe nochmals ein „Verpflegungsstützpunkt“.

Ein alter Opa, Hörgerät, Krückstock und das Hemd bis zum letzten Knopf zu, will mich rein lotsen. Höflich lehne ich ab, ich hatte ja gerade Pause.

Aber er hält mich liebenswürdig fest und erzählt, das JuanCarlos und auch der jetzige König Felipe schon durch sein Dorf gekommen sind.

Niedlich, wie stolz er war.

Knapp 10 km vor Santiago beginnen die Vororte, nochmal etwas Asphalt und Hauptstraße.

Aber die 3 km bis zum Hotel PAYRO sind ein Klaks.

Ich kenn es noch von 2019, und ist ein guter Startpunkt für die morgigen letzten Meter zur Kathedrale.

Ja, was sind 7 km?

Nichts!

1 1/2 Stunden und ich bin wieder mal am Ziel.

Ich freue mich, und es wird garantiert wie immer emotional.

Und das ist auch gut so!

18,4 entspannte Kilometer heute, und morgen, ja, dann der Endspurt!

Morgen kann ich sagen:

Endspurt und Zieleinlauf.

Es wird einfach nur gut.

Darum:

Buen Camino