Adios da Costa…

Heute geht es raus aus Vigo erstmal mit Frühsport los.

Es geht tatsächlich 3,2 km immer bergauf, das fängt ja gut an.

Der Frühstückscafe zwischendurch gibt mir eine kleine Atempause. Aber so ein Anstieg gleich am Morgen ist echt Frühsport.

Mit der Aussicht in die Bucht von Vigo werde ich aber entschädigt.

Der Weg führt weiter durch die Vororte oberhalb der Stadt.

Und er ist jetzt so halbwegs eben.

Es blüht ordentlich, riecht frisch und vor allem nicht nach Abgasen.

Der Verkehr in Vigo ist schon heftig.

Und immer wieder gibt es eine neue Aussicht auf die Bucht.

So langsam verlasse ich den Português da costa.

Für 2 Tage geht es etwas ins Inland, auf den Português central.

Der Wegweiser zeigt inzwischen 95,6 km bis Santiago an.

Da könnte einer auf die Idee kommen, das sind doch nur noch 4 Tage bis zum Ziel.

Ne, ne, ne, nicht für mich.

Übermorgen, nach Pontevedra, biege ich auf den Camino Espiritual ab.

Der schlägt einen kleinen Bogen in Richtung Meer und kommt in Padron wieder auf den Central.

Ich will einfach nochmal Boot fahren. 😎

Ich brauche halt etwas Abwechslung, bin den Português Central ja schon zweimal gelaufen.

Das in den Dörfern immer wieder mal was Maritimes steht, habe ich inzwischen mehrfach zum Besten gegeben, hier nun 2 Anker oben auf dem Berg.

Warum auch immer?🤔🫣

Im letzten Dorf noch eine „Versorgungsstelle“.

Die ist gut gefüllt mit den Pilgern. Bar oder Café kann man dazu nicht sagen, Café aus dem Automaten, (schmeckt aber trotzdem), und allerlei Kleinkram bietet die Frau des Hauses an.

Ihre Freundin hat gemerkt, wo ich herkomme.

Und hat mich gleich ins Gespräch verwickelt.

Ist eine Spanierin aus Vigo, die in Düsseldorf lebt, also auf Heimaturlaub.

Die sprach so perfekt Deutsch, ich hätte gleich gesagt, sie kommt aus dem Ruhrpott.

So kann man sich täuschen. 😎

Dann ging es durch den Wald, immer oberhalb und auf geschottertem Weg.

Super, wie das „löpt“.

So herrlich schattig.

Mal ein kleiner Wasserfall, dann wieder ein Ausblick auf das Tal.

So kann es von mir aus weitergehen.

Mal ein Farbtupfer eines Künstlers…

Mal einfach nur Wald und echt ein bisschen Ruhe zum umher sinnieren über Gott und die verrückte Welt.😉

Santiago ist nicht fern, dem Pilger wird auf verschiedene Art Hoffnung gemacht.

Aber bei dem Weg und dem tollem Wetter (23 Grad) 🤪 wird wohl kaum einer trübsinnig sein.

Ich jedenfalls nicht, ich genieße.

Na ja, aber hier laufen auch schon mal komische Gestalten rum, jeder halt so, wie er es mag.

Wenn ein „zerrupfter“ Pilger im Wald die anderen anbettelt, ist das schon komisch.

Wenn es überhaupt ein Pilger war. 🤔

Die Bucht von Vigo ist wie ein Fjord, reicht ewig ins Inland, und endet am heutigen Ziel in Cesantes. Darum auch solch eine große Brücke.

Die Aussicht auf Cesantes täuscht gewaltig.

Es sind hier noch 9 km. Einmal rum um die Bucht.

Inzwischen habe ich lautstarke Begleiterinnen, zwei Ukrainerinnen, die wohl halb Russland und die Ukraine unter sich aufgeteilt haben.

Lautstark, sabbeln ohne Unterlass. Schrecklich!

Im Vorort von Redondela will ich in ein Café, was machen die beiden? Natürlich auch rein da.

Da hab ich auf dem Absatz kehrt gemacht und bin wieder raus. Ne!

Ich sollte noch dafür belohnt werden.

Redondela ist im Altstadtkern ganz niedlich, enge Gassen und sanierte Häuser. Ich mag das. Hat irgendwie Charme.

Und nun gibt es in der Iglesia de Santiago auch mal wieder einen schönen Stempel, nachdem gestern in Vigo jede Kirche geschlossen war.

Und unverkennbar sind die Insignien des Jacobus am Kirchenportal.

Muschel, Kreuz und die Kalebasse.

Und am kleinen Markt gab’s die Belohnung für vorhin.

Ich habe nur einen Cafe americano bestellt, und bekomme dies.

Für ganze 2 €.

Cool!

Oder sah ich so geschafft aus?

Klar bin ich nach 19 km zu Fuß, mit Gepäck auf dem Rücken geschafft.

Aber in den meisten Fällen auch sehr zufrieden.

Auf dem Weg zur Herberge in Cesantes finde ich in einem Vorgarten die ersten Mandeln, natürlich noch nicht reif.

Sogar Feigen sind schon zu sehen.

Aber für die bin ich noch viel zu früh hier.

Leider.😖

Und Sandra gibt mir garantiert keine Verlängerung! 😍

Unterkunft habe ich heute in einer richtigen Albuerge, (Herberge), hier waren Sandra und ich schon 2015.

Sie ist immer noch top in Schuss.

Nur Maria, die Deutsch spricht, ist heute nicht da.

Bisher sind wir erst 7 Pilger, voll belegt wird die Herberge also wohl nicht.

Aber Ohropax liegt trotzdem schon bereit. 🤣

Morgen geht es auf dem Camino português central bis nach Pontevedra, 19 km Wegstrecke Bergauf und ab. Und das sonnige Wetter hält weiter an!😎

Ich bin gespannt…

Heute geht das Licht logischerweise früher aus als sonst!

Darum:

Buen Camino

Nichts bereut….

Heute Nacht hat es mal ein wenig geregnet, ist dem Pilger aber auch egal.

Solange es nicht am Tage regnet.

Das lässt sich aber nicht immer vermeiden.

Heute sieht es gut aus.

Die Sonne lacht, es ist etwas frischer als gestern.

Im Foyer des Hotels schon einige andere Pilger, es gibt noch den obligatorischen Pilgerstempel und eine Flasche Wasser gratis.

Oha, wo bring ich die jetzt noch unter?

Aber einem geschenkten Gaul….

Ich bin gespannt, ob der Weg hält, was der Mann an der Rezeption versprochen hat.

Einige Pilger biegen ab auf den offiziellen Weg, ich gehe mit anderen Pilgern entlang der Promenade.

Das Café am Ende der Bucht hat das richtige Frühstück für mich, Tostarda mit „gehäckselter“ Tomate, Olivenöl und Sesam.

So lecker, könnte ich jeden Morgen essen, leicht, bekömmlich und ausreichend für den Start in den Tag.

Die Surfer sind auch schon im Wasser und reiten auf ein paar schönen Brechern zum Strand.

Scheint ein kleiner Hotspot zu sein.

Der Parkplatz ist gut gefüllt mit Caravans, eine Strandbar und ein Board-Verleiher sind auch vor Ort.

Und ein paar Surfer in der Bar sehen aus, als wär die Nacht sehr lang gewesen. 🤣

Der heutige Weg ist echt gut, führt durch kleine Orte.

Hier hat jeder einen „Puerto“ oder eine „Praia“, egal wie klein oder groß.

Und dieser kleine Strand/Hafen war echt niedlich und versteckt.

Ich musste schon etwas weiter runter laufen, um, ja, auf der anderen Seite wieder rauf zu klettern!

Im wahrsten Sinn des Wortes.

Hinter mir kam eine Rad-Pilgerin.

Pech für sie, die Stiege auf der anderen Seite kam sie mit ihrem schweren E-bike definitiv nicht hoch.

Für sie hieß es jetzt, wieder hoch auf der andern Seite und Umweg fahren.

Aber auch ich hab nach der elend langen Treppe und dem weiteren Anstieg gepumpt wie ein Maikäfer.

Cool war’s trotzdem.

Inzwischen hatte ich einen vierbeinigen Begleiter, ist hier ja immer so eine Sache.

Irgendwie ein (Dokö) Windhund! 🤔😎

Der hat nur gebettelt und war ganz ruhig.

Hat von mir nichts bekommen, sich irgendwann abgewandt und die Pilger hinter mir genervt.

Zwischendurch ging es eine Hauptstraße lang, bis in eine Siedlung, weg von der Straße.

Hier war’s dann mal nur der große Anker.

Nicht ein halber Fischkutter! 🫣

Weiter, weiter, runter zum Strand, auf die nächste Promenade.

Ja, ich hab doch noch einen Müsli-Riegel gefunden, also kurze Rast.

Die Aussicht und die Sonne genießen…..

Da viel mir ein, ich musst ja mal meine User mit einem Portrait beglücken. 🫣🤣

Eine Britin schaute schon interessiert, wie ich das wohl mache.

Na mit Apfel-Uhr und Apfel-Handy. (können andere auch)

Quasi mit Fernauslöser.

Ich finde, ist mir doch echt gelungen!🤣🤣🤣😎😎

Witziger Weise wollte die Britin genau die gleiche Position fotografiert haben.(von sich selbst 😎)

Da bin ich doch Kavalier!

Nur ein mal habe ich heute einen emaillierten Camino-Pfeil gesehen, ansonsten nur irgendwelche aufgemalten Pfeile. Der Weg war dadurch aber immer sehr gut zu finden.

Die Kartoffel- Totilla zum Mittags-Cafe hat super geschmeckt.

Irgendwie bin im Schlaraffenland…..

Im Hintergrund macht sich schon ein Vorort von Vigo breit, eine Insel mit noblen Anwesen und Hochhaus.

Historisch liegt hier wohl so Einiges im Boden, etwa diese Reste einer römischen Villa.

Die wussten damals schon, wo es gut ist.

Diese Römer waren auch überall.

Eine richtige Plage. 🤣

Die Christen haben dafür überall Kreuze aufgestellt, und wenn’s im Wasser stand.

Nur hier kam ich nicht richtig ran.

Wieder eine riesige Promenade, in den Grünanlagen das „Grünflächenamt“der Stadt Vigo am arbeiten.

Cool, die ganzen Pools entlang der Promenade zur freien Nutzung. Und überall Spielgeräte für Kinder.

Die Stadtväter von Vigo gönnen sich hier richtig was!

Was uncool ist, sind die ganzen fliegenden Händer.

Da kannst du 20 mal sagen, no, der nächste belagert dich wieder.

Und die Polizei beobachtet aus sicherer Entfernung das Geschehen.

Seh ich so aus, als würde ich was kaufen?

Ich bin Pilger, jedes Gramm weniger zählt, nicht mehr ! 😎

Vigo zeigt sich, die Häuser werden immer nobler, pompöser.

Teilweise richtig Wohnanlagen, umzäunt, oder wie hier, ummauert.

Und Pilgermuscheln an der Fassade.

Bis zum Hafen war der Weg toll.

Dann wird’s unangenehm, auf der einen Seite 4 spurige Hauptstraße, auf der Wasserseite Werfthallen bis zum Horizont.

Irgendwann hat es mir gereicht, es nahm kein Ende.

Also muss Google herhalten.

Route zum Hotel, klar, macht Google.

20 Minuten, los geht’s.

Angesch… hat das große G mich.

2 km steil hoch die Straßen, nur um auf der anderen Seite 1 km runter zu laufen. Irgendwo zwischendurch musste ich pausieren und eine Clara trinken.

Egal, das Hotel ist top, ich konnte mich eine Weile erholen.

Bin dann aber trotzdem nochmal los. Abendbrot und Einkauf stand noch auf dem Plan.

Etwas Sightseeing und eine kleine Reparatur erledigen.

Mein Handy ist gestern abgestürzt und der Displayschutz defekt.

Der junge Mann im Orange-Laden hat’s ruck zuck erledigt, neue Folie rauf, und noch kurz geschnackt mit mir auf Deutsch!

Das war top Service!

Ansonsten ist Vigo Großstadt, total voll mit Autos und Menschen.

Die Häuser 8-10 stöckig, immer mal dazwischen Häuser mit Jugendstil-Fassaden.

Ansonsten alles sehr sehr modern.

Die Ampeln sind cool!😎

Viele haben sogar im Gehweg Lichtbänder zur Rot-Grünanzeige für die Fußgänger. 😎

Heute waren es nun insgesamt doch 21 km.

Der Weg hat sich gelohnt, sehenswert, angenehm zu laufen, bis Vigo.😉

Weiter geht’s morgen über Redondela nach Cesantes.

Dort gibt es eine Herberge, wo Sandra und ich 2015 schon einmal übernachtet haben.

Ich bin gespannt.

Immer weiter, das Ziel kommt langsam aber sicher dichter.

Darum:

Buen Camino

Ich hab es getan….

Die Nacht waren unruhig, der Wind hat ordentlich zugelegt. Also Fenster zu.

Heute Morgen bei einem sehr schönen Frühstück, kam ich mit zwei Mädels aus Östereich und Bayern ins Gespräch.

Sie haben in Caminha angefangen, haben sich aber in den Kilometern vertan, und mussten nun über 30 km am ersten Tag laufen.

Ihr Gepäck war schon per Transport in der Herberge. Sie konnten also schlecht umplanen.

Die beiden waren geheilt, und laufen heute auch nur nach Nigrán.

Außerdem konnte ich ihnen ein paar Tipps für den Weg geben.

Die Vermieterin hatte schon die Herberge verlassen, und ich vergessen, mir noch Wasser von ihr geben zu lassen.

Ok, irgendwann auf der heutigen Etappe wird’s was geben. Nur mit Cafés ist es heute nicht weit her.

Das Wetter ist heute komisch. Stürmischer ablandiger Wind und um 09:00 Uhr schon 20 Grad. Schwüll, unangenehm, und ein wolkenverhangener Himmel.

Also sofort in ganz kurz loslaufen. Und ohne Wasser im Gepäck.

Das kann ja nur besser werden.

Immer entlang der Felsen, ein Ort, noch ein Ort, der Mercado (auf Google gibt es ihn noch) geschlossen und der macht auch nicht mehr auf.😖

Irgendwo kommt bestimmt eine Bar.

Am Horizont ein Campingplatz! Das Café zu.

Die Gegend ist irgendwie komisch. Das nicht viel kommt, war klar. Aber überhaupt nichts?

Da steht an der einen Stelle so eine Ruine, muss mal ein großes Hotel gewesen sein.

Immer wieder sieht man solche verlassenen Häuser. Obwohl das hier eine touristische Gegend ist.

Die Sonne lässt sich erstmals blicken.

Ein paar hundert Meter weiter, so eine Nobelhütte. Voll videoüberwacht und mit allem Schnickschnack.

Inzwischen habe ich mich entschieden, rund ums Cabo Silleiro zu laufen, die Variante ist etwas länger, die Aussicht aber nicht zu verachten.

In der Ferne der Faro Cabo Silleiro.

Dahinter beginnt schon die Bucht von Vigo.

Man schätzt die Entfernung immer wieder falsch ein. Der Weg zum Cabo zieht sich. Und am kleinen Bruder vom großen Leuchtturm ein Restaurant. Aber es ist zu.

Die vor mir laufenden Pilger kommen mir entgegen.

Das ist nicht gut, aber was hilft es. Also nochmals 3 km bis nach Baiona. Aber da ist nicht nur ein Café! 3 km Asphalt bis zur Stadt, nun wird’s langsam Zeit.

Die Virxe da Rocha schaut vom Berg auf die Pilger. Na, da kletter ich heute nicht rauf.

Am Ortseingang steht die Festung Castelo de Monterreal, eine riesige Anlage auf einer Landzunge.

Schon zur Römerzeit gab es hier eine Siedlung.

Fischfang und Meeresfrüchte sind ein wichtiger Wirtschaftszweig.

Das hier sieht schon irgendwie komisch aus, sollen Entenmuscheln sein.

Auf jeden Fall sind die Entenmuscheln lecker.

Am großen Jachthafen gibt es für mich kein Halten mehr. Ich bin fast verdurstet, entkoffeiniert, und verhungert. 🫣🤣Das nächste Café ist meins.

Café, die geliebte Clara con lemon und ein kleines Stück Tortilla. 🫣😋

Der Kellner ist klasse:

you must eat, the Birds like Tortilla

Die Möwen sind hier also genauso gierig, nur bei uns ist es das Fischbrötchen., das die Möwen klauen.🫣😎

Die letzten 2 km geht es immer noch auf Asphalt und an Palmen entlang. Vorbei an einem „Froiz“, wo ich mich mit Oliven, Chorizo, Käse, Baguette, DosenClara und Wasser eindecke. Und eine Tafel Schokolade salted caramel, die hab ich mir sowas von verdient.

Nach dem Einchecken im Hotel, kann ich es nicht lassen.

Ab an die Praia americana. Traumhaft.

Ich hab mich getraut und bin im Atlantik (14 Grad) abgetaucht.

Die Badesaison ist eröffnet.

Was für eine super Abkühlung nach diesem schwülen, trockenen und hungrigen Tag.

Es sind heute also doch fast 19 km geworden, aber auch eine schöne Variante an der Küste entlang.

Leider fast nur Asphalt und entlang einer Straße. Aber Ok.

Gestern Abend bin ich nochmal in mich gegangen, morgen geht es nun doch nach Vigo.

Im Hotel sagte der Mann am Empfang auch, der Weg am Wasser sei schön.

Außerdem will ich ja meine Pilgerfreunde in Santiago treffen.

Würde zu früh ankommen.

Also muss ich nicht so schnell sein.

Für heute

Buen Camino