Es ist vollbracht….

Genau heute lauf ich die letzten Kilometer, genau gesagt nochmal 16 km von Lires nach Muxia.

Die Herberge ist echt gut, und mit angeschlossenem Restaurant natürlich super in dieser „Einöde“.

Gestern Abend habe ich noch eine Weile mit einem Regensburger Pilger gesessen. Nur solange wie in Fisterra ist es glücklicherweise nicht geworden.

Und es wird heute nochmals anstrengend. Immer aufwärts, etwa 8 km.

Tja, und heute ist das erste Mal etwas Regen angesagt.

Was war das noch? Regen?

Aber es wird so wenig, das ich den Poncho schnell wieder verpackt hatte. Das war wohl eher „Mückenpi…“.

Nur für den Naturpool im Wald war es dann doch etwas frisch.

Der Himmel verspricht ja doch noch Sonne.

So wird es schnell wärmer und der Aufstieg schwitzig.

Heute sind in beiden Richtungen einige Pilger unterwegs. Die Puerto-Ricaner sabbeln immer vor sich hin, so das ich mich gezwungen sah, Gas zu geben, um ihnen zu entfliehen.

Ich wollte doch heute ins Ziel schlendern.

Kurz vor den Windrädern auf dem Monte O Facho, die einzige kleine Bar in einem Dörfchen.

Oder doch nur eine Ansammlung mehrerer Häuser?

Egal, ein Cafe americano und ein Stück Fenchelkuchen, wie lecker ist der denn! 😋

Und dann muss ich auch schon wieder flüchten.

Die PuertoRicaner kommen….😂

Inzwischen ist die Hose kurz und die Jacke im Rucksack. Es wurde gleich wieder warm.

Aber wenigstens ging es nun nur noch abwärts.

Aber das ist nicht viel besser, als aufwärts.

Meine Knie, vor allem das Rechte, meldet sich mächtig.

Eh, auf die letzten Kilometer noch Stress.

Nix da, hier wird zu Ende gelaufen!

Zumal das Meer schon zu sehen ist, Muxia also nicht mehr weit.

Ja, und nun ist es geschafft.

Das letzte Mal Zieleinlauf.

Und hier an der Spitze des Ortes gibt es wirklich Interessantes zu sehen.

Mirador Jesús Quintanal erinnert an ein Tankerunglück.

Nicht umsonst heißt die Küste hier „costa de la muerte“,

Außerdem steht hier die Kirche Virxe da Barca.

An Sturmtagen schlägt die Gischt bis an die Kirchentür.

Finistere beansprucht für sich „das Ende der Welt„, Muxia eher das spirituelle Ziel der Pilger.

Klar ist Jacobus allgegenwärtig.

Vor der Kirche ein flacher Fels, die Pedra dos Cadris.

Und hier ranken sich so einige Legenden drum.

Eine sagt, man muss unter durch kriechen, dann bleibt man gesund.

Hab ich natürlich gemacht…😊😊

Am Leuchturm vorne am Kap eine kleine Pause und Reflektion meinerseits auf die letzten 3 Wochen.

Schön war’s, ab und zu anstrengend, traumhaft, tolle Landschaft, oft lustig und interessante Leute unterwegs.

Genau so soll es sein.

Ich habe genau das gefunden, was ich mir erhofft habe.

Und damit geht es unwiderruflich zu Ende.

Camino português de la costa ist Geschichte.

Auf jeden Fall eine schöne….

Und nun muss ich auch wieder Sandra danken, das sie das zulässt, aushält und Zuhause alles am Laufen hält.

Was hab ich für ein Glück! 😍

Morgen (Dienstag) beginnt die Rückreise mit dem Bus nach Santiago. Mittwoch wieder mit dem Bus nach Porto, so dass ich Freitag in der Heimat bin.

Als nun ein wirklich zum letzten Mal:

Buen Camino….

Am Ende… ja und nein!

Am Ende der alten Welt, aber ich bin doch noch nicht am Ende!😎

Auch am „Ruhetag“ kann man noch etwas wandern….

Wenn man schon in Fisterra ist, muss man auch zum Cap Finistere laufen. Zuvor habe ich mir aber die Igrexa de Santa Maria angesehen. Wiedermal eine kleine, aber durchaus trutzige Kirche.

Der Weg zum Cap ist eigentlich nicht besonders beschwerlich.

Aber beim letzten Mal hab ich diesem Pilger schon beim Aufstieg geholfen.

Weit ist er nicht gekommen.😂

3,3 km später der 0,00 Stein am Faro de Finistere.

Und ich hab Glück mit dem Wetter.

Eigentlich sind Schauer angesagt.

Unterhalb des Leuchturms steht dieser bronzene Pilgerschuh, gezeichnet vom Camino, zurückgelassen, vergessen oder verloren.😉

Früher haben einige Pilger in den Felsen T-Shirts, Hosen, Wandersocken und auch Schuhe verbrannt, als Zeichen des Abschlusses.

Dies ist aber inzwischen verboten.

Was sind die 3,3 km hier hoch?

Nichts, deshalb geht’s hoch hinaus zu den Pedras Santas, den heiligen Steinen.

Die sind schon zu Bronzezeiten und bei den Kelten ein heiliger Ort gewesen.

Und einer der beiden Steine wackelt, wenn man sich drauf stellt und sich bewegt.

Cool!

Zwar unverrückbar, aber beweglich.

Inzwischen ist so etwas wie Seenebel aufgekommen, und dann wird es echt mystisch, wenn der Nebel durch die Felsen und Bäume zieht.

Kein Wunder, wenn es eine Kultstätte war.

Die Aussicht rund um ist zwischendurch grandios.

Wieder in Fisterra, scheint die Sonne, ein tolles Licht im Hafen.

Da schmeckt der Tinto de verano besonders gut.

Und nun sind es am Ruhetag doch 9,3 km geworden. Es geht halt nicht ohne.

Der Abend wurde auch noch extra lang.

Ich treffe das Schweizer Pärchen wieder und so sitzen wir erst in einem Restaurant, nachdem es um 22.30 Uhr schließt, noch im Lokal nebenan, bis 0:30 Uhr.

Wir reden übers Pilgern und Gott und die Welt.

Cooler Abend, tolles Flair im Hafen.

Ein schöner Abschluss in Fisterra.

Sonntag morgen zieht es mich nicht so schnell auf den Weg. Der Abend wirkt nach, für einen Pilger war das schon sehr lang.

Ich will nun doch nochmal laufen, nach Lires.

Da es nur 15 km sind, hab ich aber keine Eile und esse mit den Schweizern im La Frontera Frühstück und bin erst um 09:30 Uhr unterwegs.

Es ist der Weg zwischen Fisterra und Muxía.

Über Fisterra nochmals ein Blick zurück auf die Bucht Fisterra, und auf die Praia de Fóra .

Die Schnecke auf dem Holzgeländer an der Praia ist das Motto des Tages.

Langsam, nicht hetzen.

Lires ist ein Dorf mit gar Nichts, es gibt nur ein paar Unterkünfte, ein Restaurant, sonst nichts!

Außer galizische Palmen(Kohl), Hòreos, Wald und kleinen Dörfern, gibt es unterwegs nichts, laut Pilgerführer nicht mal eine Bar.

Und dann, auf der Hälfte der heutigen Strecke, haben junge Leute improvisiert und bieten in einem alten, umdekorierten Stall, Kaffee, Verpflegung und einen schönen Siegel-Stempel für die Pilger an.

Ja, das Geschäft brummt.

Vor mir läuft eine Gruppe Puerto-Ricaner, die haben den Laden okkupiert, und lassen die Kasse klingeln.

Die Lokation ist aber auch niedlich, gemütlich.

Als ich das Ziel am Horizont ausmachen kann, entscheide ich mich abzubiegen, in Richtung Atlantik.

Ich hatte mich bewusst gegen den Camino de Faro entschieden.

Den Weg allein zu laufen ist mir zu gefährlich.

Wenn du da abrutscht und irgendwo hängst oder liegst, findet dich Stunden oder tagelang niemand.

Aber im letzten Abschnitt vor Lires ist der Weg eben und breit, einige Meter von den Klippen entfernt.

Ungefährlich!

Auf dem Weg dahin wird es spannend. 2 Meter breit durch den Wald, kommt mir in einer Biegung eine Kuhherde entgegen.

Das hatte ich doch schon mal, auf der Via de la Plata.

Da lief uns ne ganze Herde hinterher!😂

Hier heute wusste ich gar nicht so schnell, wo hin!

Die machen kein Platz, kennen keinen Rechtsverkehr!😂

Ich quetsche mich in einen kleinen Seitenpfad, und lasse sie vorbei laufen. Denen bin ich sowas von egal.

Nicht mal ein Buen Camino gibt’s.😂

Aber die sind nicht ausgebrochen, der Hirte mit Hund kommt seelenruhig hinterher getrottet. 😎

Dann ist auch bald das Ziel in Sicht, die Ria de Lires.

Und so bin ich schon 14:00 Uhr am Ziel.

Trotzdem ich gefühlt über den Weg geschlendert bin, zeigt Komoot 4,7 km/h an. Ich kann einfach nicht langsamer.😎

Beim Einchecken im kleinen Hotel, sagt der Mann an der Rezeption: ich brauche von Ihnen keinen Passport, sie waren ja 2024 schon hier.

Er hatte immer noch meine Daten vom letzten Mal. Die volle Überwachung!

Hätte er mir ja auch mal 10% Rabatt geben können!😂

Morgen nun wirklich der Abschluss der Pilgertour, es geht von Lires nach Muxia.

Es sind wieder 15 km, mit ordentlichem Aufstieg zum Monte O Facho und dem echt steilen Abstieg in Richtung Muxia.

Das sind dann aber wirklich die letzten Kilometer!🤣

Darum nochmal:

Buen Camino!

Santiago-Camino frances-Santiago….

Was ist denn nun los, war doch fertig?

Weiter geht’s mit Pilgern?

Nur ein ganz bisschen! 😎

Nachdem ich den Mittwoch ganz für mich hatte, habe ich gestern ja auf unsere belgischen Freunde Malou und Jean gewartet.

So bin ich vormittags mit dem Stadtbus nach San Marcos rausgefahren, zum Monte Gozo.

Dort habe ich 2014 in der Herberge der katholischen Kirche übernachtet.

Wenn der Pilger vom Camino Frances kommt, sieht er dort das erste Mal die Türme der Kathedrale.

Und dort oben steht auch ein Pilgerdenkmal, was einfach alles über den Ort aussagt.

Die Freude, daß das Ziel nah ist, und die Strapazen ein Ende haben werden.

Ein schöner Ort, und dort hab ich gestern meine ersten Pilger mit Pferd getroffen.

Es gibt sie also doch noch!

Von da bin ich zurück noch ein kleines Stück auf dem Camino Frances gepilgert.

Ohne volles Gepäck, Pilgern Deluxe halt.

Ich hatte ein Dejavu nach dem anderen.

Den Weg kannte ich immer noch, obwohl ich schon 2014 dort gelaufen bin.

Witziger Weise bin immer vor unseren Freunden hergelaufen, ohne zu wissen, wo sie gerade sind.

Ich hab schon vor der Kathedrale gesessen und die Pilger beobachtet, als dann die Meldung kam, wir haben noch einen Kilometer.

Die Freude war natürlich riesig. Es war nicht von vornherein abgesprochen, das wir so kurz aufeinander von verschiedenen Caminos in Santiago ankommen.

Die beiden waren mit 2 Freundinnen unterwegs auf dem Norte, Primitivo, und dem Frances.

Das wir uns dieses Jahr in Santiago treffen, war einfach Fügung.

Wir haben uns zusammen am Platz ein Café gesucht, auf unser Wiedersehen angestoßen, lange erzählt.

Und uns zum Abend zur Messe in der Kathedrale und anschließend zum Abendessen verabredet.

Bis dahin hab ich Sightseeing gemacht, Eis gegessen und Kaffee getrunken.

Und die Chance genutzt, die Kathedrale außerhalb der Messen und vor allem nicht überfüllt zu genießen.

Dabei habe ich dieses Glasfenster in der CorticelaCapela gesehen.

Für mich ein Baum des Lebens, gezeichnet von der Zeit, knorrig, mit wenigen Blättern.

Aber ich erkenne auch Jesus am Kreuz.

Eine tolle moderne Glasmalerei.

Und passt in den ältesten Teil der Kathedrale absolut rein.

Unserer Treffen zum Abendessen wurde feuchtfröhlich (wir waren nicht betrunken)🤣 mit tollem Essen.

Ich kannte das Restaurant vom 2019, dort hatte ich mit Wolfgang und Anton unser Abschiedsessen, wurde nicht enttäuscht.

Was für ein Abend, klasse.

Und ich war erst um 22:30 Uhr im Hotel.

Ein Glück, ich muss erst morgens um 10:00 Uhr am Busbahnhof sein.

Da waren die Belgier schon auf dem Weg nach Porto zum Airport.

Für mich ging es heute nach Fisterra.

Wieder ans Meer 🌊!

Die Busfahrt, sage und schreibe 3 Sunden,(für 7€), wieder ein Erlebnis.

Sowohl von der Landschaft, als auch wegen der Fahrkünste der Busfahrer.

Mir standen stellenweise die Haare zu Berge.

Immer nach der Devise, wer bremst verliert!

Ich hätte 6 Stunden gebraucht, oder wäre irgendeinen Abhang ins Meer gestürzt!😂🤣😂🤣

Auch das Wetter spielt mit. War nicht Regen angesagt?

Das nutze ich schamlos aus und laufe mit Handtuch zum Strand.

Ja, ich habe es wieder getan!

Bin nochmals im Atlantik abgetaucht.

Und ich war nicht der Einzige, also war’s auch nicht wirklich kalt.

Google sagt 14-15 Grad Wassertemperatur an.

Egal, geniessen…..

Was ich nicht gefunden habe, sind die Pilgermuscheln. Alles ist abgesammelt.

Ich wollte doch meine Reserven zuhause auffüllen?

Egal, den hier hab ich gefunden. Da war doch was …

Und zum Abschluss gönn ich mir Tinto de verano, das kannte ich noch nicht.

Absolut lecker!

Wird jetzt wohl mein Sommergetränk.

Ach ja, die Schweizer hab ich am Hafen auch noch getroffen.

Sie sind seit Mittwoch abends hier, es war ihnen in Santiago zu voll. 😎

Der weitere Plan:

Morgen ist noch mal Ruhetag, ich laufe mittags aber zum Cap Finistere und genieße vom „Ende der alten Welt“ die Aussicht auf den Atlantik.

Ansonsten alles ganz in aller Ruhe, ein Café, ein Eis, abends in der „Bar Pirata“ Pulpo bis zum Abwinken.😎

Ein paar Tage sind es noch bis zur Abreise, ich gehe nochmals 2 Tage Pilgern, von Fisterra nach Muxia, und dann entscheide ich spontan, wie ich nach Porto zurück fahre.

Bis dahin also wieder….

Buen Camino