Pilgern Deluxe…

Nachts hat der Wind stark zugenommen, WetterOnline sagt Windstärke 6, in Böen 7. 🤪🤪🤪

Na, das kann ja heiter werden.

Um 10:20 Uhr legt die „Barca de peregrinos“ im Hafen ab.

Also „lange“ schlafen….

Aber ich bin jetzt so im PilgerGeschäft drin, da ist 07:30 Uhr spät.

Frühstück gibt es heute im Hotel.

Alles schmeckt, nur Kaffee können sie nicht!

Auf dem Weg zum Hafen kehre ich nochmal in ein Café ein, bin eh viel zu früh unterwegs.

Und das erste Mal in der ganzen Zeit werde ich ignoriert, rundum wird bedient, an mir rennt der Kellner immer vorbei.

Als ich mich nach ewigen Zeiten bemerkbar machte, werde ich von der Dame hinterm Tresen angemault.

Ok, kann ich auch.

Sorry, aber ich sehe die nie wieder….

Vielleicht ist ja das Wochenende auch nicht so gelaufen….

Der Kaffee war gut, das reicht mir.

Am Fähranleger ist es voll.

Soviel Pilger wollen mit, passen die überhaupt rauf aufs Boot? 🛥️

Wenn nicht, ich würde auch den Segler nehmen.

Es passt, keiner bleibt hier zurück.

Die Wellen sind nicht so stark, nur die Pilger, die vorne standen, sind dort ganz schnell verschwunden.

Es wurde doch etwas feuchter.

Mit meinem Belgier (von gestern) sitze ich hinten an Deck und genieße den Wind, die Sonne und natürlich die fantastische Aussicht auf die Bucht.

Das Boot ist aber auch schnell unterwegs.

Nicht so schnell, wie in Caminha! 🤪

Es kurvt zwischen den Muschelzuchtanlagen hindurch, ohne viel langsamer zu werden.

Der Kapitän erklärt in Spanisch und Englisch, das Galizien nach Kanada der zweitgrößte Produzent für allerlei Muscheln ist.

Na klar, hier schwimmen massenhaft Anlagen in der Bucht.

Interessant zu sehen, wie die Fischer auf den Balken der Anlagen rumturnen. Ohne Seil und Schwimmweste.

Wahrscheinlich können Sie nicht mal schwimmen.

Ne, ne, das war ganz früher so! 🤔

Ab der Einfahrt in den Fluss Rio Ulla stehen auf beiden Seiten Kreuze auf Felsen im Wasser oder an Land, 12 insgesamt.

Und dann auch die Ruinen dreier Türme aus dem Mittelalter. Der Fluss war wohl das Tor von See aus nach Santiago, und musste deshalb extra geschützt werden.

Inzwischen ist auf dem Oberdeck Musik von Julio Iglesias an und zwei junge spanische Pilgerinnen tanzen.

Die Party geht ab.

Sie haben halt Temperament im Blut.

Mein belgischer Pilgerbruder sagt, der Kapitän hat sie gekauft! 😂😂😂

In Pontecesures kommt der Anleger in Sicht, wir haben jetzt 27 km in 2 Stunden zurückgelegt.

So schnell war ich noch nie auf dem Camino unterwegs. 🤣🤣🤣

Eine schnelle, windige, interessante Fahrt geht zu Ende.

Für mich hat sich diese Art der Fortbewegung gelohnt, ich hatte meinen Spaß.

Und es gab einen tollen Stempel für den Pilgerpass als Nachweis für die Absolvierung der Seereise, so wie der Jacob es getan haben soll.

Aber so ganz ohne Laufen geht es dann doch nicht.

Was soll ich denn so früh in Padrón.

Ich verabschiede mich vom Belgier, er läuft heute noch etwas weiter als ich.

Aber es heißt nicht umsonst, man sieht sich.

Spätestens in Santiago….

Ich mach einen Umweg über das Kloster Herbon.

In der Hoffnung, es mir anzusehen.

Nein, das Kloster ist natürlich zu, die Kirche nicht offen. Ich kann nur durch ein Gitter einen Blick ins Innere werfen. Schade.

Ok, ich kann sagen, ich war in Herbon. 😉

Aber ein Mönch spendet wenigstens den verdurstenden Pilgern frisches Wasser.

Vor und nach dem Kloster fallen mir die riesigen Kiwi- Plantagen auf.

Sie kommen ja doch nicht aus Neuseeland! 😎

Außerdem solche komischen Früchte, die schon reif sind.

Musste das erstmal googeln:

Loquats/ im spanischen: Nisperos, sind es, schmecken hier süß-säuerlich.

Hab mich aber nicht getraut, sie zu pflücken.

Nach 7 km kommt dann das heutige Ziel, Padrón in Sicht. Mehr als überschaubar, aber bekannt für die Iglesia de Santiago und das Convento do Carme.

In Padrón wurde der Legende nach, der Leichnam des Apostel Jacobus an Land gebracht.

Dadurch wurde es zum Ausgangsort der Wallfahrt der Pilger von See aus nach Santiago.

Also schon sehr geschichtsträchtig.

Ach ja, die Römer waren natürlich auch da. 😂

Außerdem ist der Ort für die Pimentos de Padrón berühmt.

Und die sind hier echt lecker.😉😋😋

Es waren also laut Komoot heute 34,6 km. Bin ich gut! 🤣

Aber es hat sich gelohnt, das Boot zu nehmen.

Eine schöne Fahrt mit der Barca, so wie viele Pilger es in alten Zeiten schon gemacht haben.

Das ist also auch Pilgern!

Morgen geht’s nach O Milladoiro.

18 km sind zu laufen, ehe es Mittwoch früh nach Santiago de Compostela zur Kathedrale, dem ersehnten Ziel der Pilger geht.

Ich freue mich und sage wieder…

Buen Camino

Weg des Wassers….

Heute stehen 24 km bis Vilanova de Arousa auf dem Plan.

Und sonniges Wetter mit bis zu 27 Grad.

Es wird also hot!🔥

Aber erstmal geht es bergabwärts, immer entlang eines Baches, und kurz nach 08:00 Uhr sind schon eine Menge Pilger unterwegs.

Der Espiritual ist ja ganz gut gekennzeichnet, manchmal, wie hier, speziell.

Wenn du hier falsch abbiegst, ist dir nicht mehr zu helfen.

Die heutige Route wird auch Ruta da Pedra de auga genannt. ( in etwa Weg des Wassers, oder Wassermühlen).

Immer den Bach runter hab ich mindestens 12 kleine und große uralte Wassermühlen gezählt.

Und das in traumhafter Natur. Das läuft sich super und ist erfrischend.

Immer wieder kleine „Wasserfälle“, die Handycamera wird echt gequält.😉

Das ist doch mal ein schöner Weg.

Und damit er schön bleibt, brauch ich ein kleines Frühstück. Und jetzt zahlt sich das frühe Loslaufen aus.

In meiner Nobelherberge gab’s auch welches, aber 9€, soviel kann ich gar nicht essen.

Die erste Raststätte nach 5 km ist noch nicht überfüllt, ich hab mir Tostarda mit Tomate und Olivenöl bestellt.

Und das Schauspiel kann beginnen.

Die schon bekannten Figuren (Pilger) tauchen auf.

Auch die kleine Italienerin (sorry Sandra 😍) und drei bayrische Mädels.

Sagt die eine: ja mei, das Sackerl ist jetzt scho schwer.

Ich grinse sie an!

Sagt sie, schau her, a Deutscher!

Schon waren wir im Gespräch.🤣

Und dann wurde es doch echt voll.

Es ist Sonntag und die Spanier gehen auch frühstücken.

Ich hab schnell aufgegessen und das Weite gesucht.

Weiter geht’s entlang des Baches, immer noch im Schatten.

An den offenen Stellen hab ich aber schon gemerkt, wie die Sonne unbarmherzig brennt.

Aber es läuft gut auf Holzstegen und Sandboden.

Vorbei an den Plantagen mit Wein, wo die Reben sind schon zu erkennen sind.

Ich wechseln über einen kleinen Fluss, bin im Tal angekommen. Und der Schatten ist weg. Schwitzen ist angesagt.

Immer wieder kleine Äcker mit Paprikapflanzen, Kartoffeln, Zwiebeln und Salat.

In einem kleinen Dorf eine Bar, voll mit Einheimischen.

Wieder ein Schauspiel, lautes Lachen und Lamentieren, Bier und Wein bis zum Abwinken.

Die Wirtin läuft mit der Rotweinflasche rum und fühlt immer nach.

Wie rechnet sie das ab? 🫣

Krass ist auch , viele haben ihr Auto vor der Bar stehen, sind fertig, steigen ein und weg sind sie! Alter Falter.

(Sandra sagt, die Polizisten sitzen in Zivil auch in der Bar und trinken mit).🤪

Nach weiteren Kilometern könnte ich gut eine Abkühlung gebrauchen, aber auf die Sandbank im Fluss hab ich mich doch nicht getraut.

Abkühlung gab’s in der Capela de san Pedro de Mouzos.

Dort hatte ein Pater Dienst.

Nachdem er sah, das ich zwei Kerzen 🕯️ angezündet hatte, verwickelte er mich ins Gespräch und erzählte mir in Englisch was von Maria und Jesus.

Überhaupt nicht aufdringlich, einfach gut.

Er wollte sogar ein Bild machen von mir in der Kirche, damit ich mich erinnere. Wenn ich das richtig verstanden habe!

Und sein „Buen Camino“ war wie ein Segen. Toll!

Der Weg zog sich unter Spaniens Himmel elend lange hin, ein Belgier bat mich, ihn am Kreuz zu fotografieren, und schon wieder war ich im Gespräch.

Auch ein erfahrener Pilger, und wir hatten uns seit Porto schon ein paarmal gesehen.

Was für eine Quälerei war das zum Schluss.

An der Bucht entlang, die letzten 2 km wollten in sengender Hitze nicht enden.

Aber am Hafen in Vilanova waren fast 24 km geschafft.

Und der Wegweiser sagt: 56 km bis Santiago!

Ich komme…

Morgen wird es aber definitiv ruhiger, ich fahre mit der „Barca de peregrinos“ bis kurz vor Padron entlang der Bucht und auf dem Fluss.

Und meine Füße können das gut gebrauchen.

Ein wenig Erholung.

Nach Einschecken in der Unterkunft, einer ordentlichen „Wartung und Pflege„ und anschließender Ruhepause, hab ich mich noch mal aufgerafft.

Ich hatte doch was von Chipriones gelesen! Dem konnte ich nicht widerstehen.

Und wen treffe ich im Lokal ? Den Belgier.

Ich setze mich dazu, und bestelle mir Clara con limon und eben Chipriones !

Die Kelnerin: Clara si, Chipriones no!

Küche erst wieder 19:30 Uhr!

Ich hab wohl so verhungert ausgesehen, das sie 5 Minuten später mit einem großen Teller voll mit lecker Chipriones extra für mich kam.

Der Belgier wollte sich wegschmeißen.🤣🤣

O-Ton Sandra: nun ist gut, da lass ich dich nicht mehr hin, muss ja Angst haben, das du nicht wieder kommst! 🤣🤣🤣

So hatten der Belgier und ich noch nettes, interessantes Gespräch.

Und morgen sieht man sich, auf der „ Barca“.

Fazit heute : bei 24 km und Hitze, am Limit, aber angekommen.

Und schön war’s!

Darum auch heute wieder,

Buen Camino

Na dann hoch da….

Sonnabend früh in Pontevedra sind nur Pilger und Kehrmaschinen in der Altstadt unterwegs.

Gestern Abend ging wiedermal die Party ab.

Am Hotel ein Restaurant, total voll, erst essen und trinken, dann tanzen und lauthals singen.

Die Spanier wissen, was gut für sie ist!

Und deshalb die kleinen Kehrmaschinen, putzen die Hinterlassenschaften der Nacht weg.

Und polieren die eingelassenen Schilder im Gehweg.

Wir sind hier auf der Via Romana XIX.

Ich sag doch, die Römer sind überall, die Plage.🤪🤪🤪

Ich bin heute Morgen extra zur Basilika einen Umweg gelaufen, aber Nix da, sie ist geschlossen. Da hat der Priester wohl mitgefeiert. 🤣

Egal, ich hatte sowieso nicht vor, genau nach Plan zu laufen.

Der linke Fuß ist noch etwas geschwollen, also nehme ich Druck raus und kürze geringfügig ab und erspare mir ein Stück Asphalt zu laufen.

Dachte ich !

Es geht über die Puente de la Barca in Richtung Poio, wo ich den Camino Espiritual erreiche.

Von dort geht’s am Ufer der Ria de Pontevedra wunderschön auf einer Strandpromenade und einem Sportplatz in Richtung Combarro.

Auf dem Sportplatz ist schon ordentlich was los.

Fußballspiel zwischen zwei Kinder-Mannschaften.

Das Geile war aber der Getränke- Versorgungsstand für die Eltern : ein Riesen Plakat mit „Octubrefest Pontevedra“

Und das in Blau-Weiß. Ha, Ha, klasse Gag.

Die Kinder machen Sport und die Eltern trinken Bayrisch-Cerveza.🤪

Inzwischen sind es 20 Grad und windstill.

Was soll das werden? Die Vorhersage sagt bis 27 Grad.

Aber traumhaft sieht es aus.

In Combarro geht’s am scheinbar manchmal überfluteten Weg zum Hafen, ich will den Koffeingehalt meines Körpers nochmal ordentlich auffüllen.

In diesem kleinen Fischerdorf steht gefühlt an jeder Straßeneinmündung ein Kreuz. Zum Hafen runter sind Gassen eng, alles ist sehr gepflegt.

Aber dort werde ich enttäuscht, kein Café auf.

Was soll denn das heute werden?

Dann gibt es eben Wasser, Banane und Müsliriegel und Beine baumeln an der Hafenkante.

Zurück am Camino, ich wusste ja was kommt, geht’s steil bergauf durch das Dorf, aber richtig steil. Sowas von steil!

Wer sucht so eine Route aus?

Leider gibt’s keinen anderen Weg, oder der andere Weg ist zu weit. Aber die Bemalung stimmt.

Sonne, kein Wind, der Schweiß fließt in…..

Unglaublich, das nimmt kein Ende. Das schlimme, die nächsten 8 km bleibt das so.

Oberhalb des Dorfes dann mal ein Lichtblick.

Ein „Pilgerservicepoint, einfach eine Tiefkühltruhe mit gekühlten Getränken. Wie geil!

Nimmt sich jeder gegen Donativo raus, was er braucht!

Automatisch kommt man ins Gespräch, lustig, wie alle gleich stöhnen über den Anstieg. Und das Ende ist noch nicht abzusehen.

Im Wald wird es dann angenehmer mit der Temperatur und der Anstieg auf den Serpentinen ist nicht mehr so steil. Außerdem ist es immer wieder ein toller Ausblick auf die Bucht.

Von da unten kommen wir!

Ich bin dann in meinem Trott, und wundere mich, warum es so ruhig ist. Die kleine Italienerin hinter mir weit und breit nicht zu sehen. Komisch.

Ja, der Pilgerführer sagt, falsch gelaufen.

Na ich lauf doch jetzt nicht ein paar 100 Meter wieder runter, um dann wieder rauf zu gehen! Nix da.

Tante Google hilft, ich musste nur ca 1 km quer laufen und bin wieder auf dem Pilgerweg.

Gemacht getan, erstmal musste ich aber an einer öffentlichen Hundeauffangstation vorbei.

Ein Glück, die hatte einen massiven Zaun.

Die Hunde haben mich „gebührend“ begrüßt.🫣

Immer weiter, immer weiter.

Und nun kommt es.

Ich bin wieder auf dem Camino und sitze schon ein paar Minuten auf einem kleinen Rastplatz, esse und trinke was.

Kommt die kleine Italienerin an und staunt. Sie hatte noch hinterher gerufen und ich hab nicht reagiert.

Und bin vor ihr da? 😎

Es war also kein Umweg.

Inzwischen war der Berg aber auch bezwungen, flach oder etwas abschüssig ging’s dem Ziel entgegen.

Das Ziel des nächsten Tages war schon in der Ferne zu erkennen.

Und es wurde noch mal spannend, irgendwie stimmte hier tatsächlich die Wegführung nicht.

Der Weg war so steil und steinig, ich bin einmal dermaßen abgerutscht, das hätte es gewesen sein können.

Nichts ist passiert, der junge Eukalyptus Baum, an dem ich mich festgehalten habe, hat standgehalten.

Ich glaub, irgendwann haben Pilger die Serpentine abgekürzt, und dann hat sich das als echter Weg verselbstständigt. Ich bin einfach die Serpentine gelaufen und kam auch am ersten Café des Weges an. 😎

Voll war das Café, einige Pilger, aber auch Einheimische, die das Wochenende genießen.

Gegenüber das Kloster A Armenteira, wo ich auch gerne übernachtet hätte. Aber da hätten sie mich wohl nicht haben wollen.

Auf dem Parkplatz fette Ferrari, Porsche Panamera, Mercedes.

Das will ich auch nicht!

Ich laufe lieber 2,5 km in meine heutige Luxusunterkunft für 76€.

Ich komme an den anderen Herbergen vorbei, eine Menge Koffer davor, na klar, completto!

Ich hab keine Fragen mehr.

Aber die Villa heute ist extra top. Super ausgestattet.

Und mit 10 oder 12 Apartments voll ausgebucht.

Und die bekannten Gesichter sind dabei.

Man sieht sich immer wieder. 😉

Fazit des Tages: anstrengend, schweißtreibend, schön.

20,6 km, der Fuß hält, danke.

Die müssen aber auch was leisten, die beiden Füße.😎

Morgen geht es über 22 km größtenteils bergab nach Vilanova de Arousa.

Dem Atlantik entgegen.

Es wird Pulpo geben! 😎😎😎 Das ist mal klar.

Darum für heute…

Buen Camino