Der gestrige Pulpo hat mir schwer im Magen gelegen, die Nacht etwas unruhig. Ich war einfach zu vollgefuttert.
Nicht desto trotz habe ich heute Morgen im Hotel Frühstück gegessen, mit richtigen Brötchen, Wurst und Käse.
Die Portugiesen essen morgens wohl eher Süßes, nicht herzhaft.
Meine Wasserversorgung war noch ungeklärt, und siehe da, am Hafen gibt es einen Aldi.
Aldischönen Sachen, deutsche Süßigkeiten, deutscher Käse etc.
Ich habe aber nur Wasser und zwei Bananen gekauft. Brot, Käse und Wurst habe ich noch im Rucksack.🎒
Heute gibt es unterwegs lt. Pilgerführer keine Versorgung. Der eine Weg führt durchs Irgendwo am Wasser lang, der andere durch die Berge. Ist doch klar, welchen ich nehme!
Am Hafen liegt das alte Lazarettschiff -Gil Eannes- der portugiesischen Fischerei, umgebaut als Museumsschiff.
Hat eine interessante Geschichte!


An der Hafenmauer sind wieder portugiesische Fliesen angebracht. Sie erzählen die Geschichte der ansässigen Fischerei.
Inzwischen haben sich wohl alle Pilger auf den Weg gemacht, ich hatte ja gehofft, einige nehmen den bergigen Weg. Denkste!

Über der Stadt trohnt eine große Kirche, mir kam gleich der Gedanke an „Herr der Ringe„. Die eine sah auch so aus. 🤔😉
Die Kirche an der Promenade konnte da nicht mithalten. Und war auch noch geschlossen.

Raus aus der Stadt gehen wir oberhalb des Ufers.
Da Ebbe ist, sind ganze Scharen von Muschelsammlern zwischen den Felsen unterwegs.
Der Atlantik ist erstaunlich glatt und ruhig, kein Wind zu spüren.
Da die Sonne lacht, wird es wohl wieder warm, um nicht zu sagen, heiß!

Entgegen kommen mir nur Läufer und Radfahrer, auch Sonnabend morgen ist hier Frühsportzeit. Die Pilger- Karawane zieht sich derweil langsam auseinander, und ich steh ja eh auf der Bremse!🤣

Zwischendurch hat man die Wahl zwischen Asphalt und Holzsteg. Das entscheidet jeder für sich. Laut Pilgerführer folgt jetzt eine Kette kleiner alter Forts entlang der Küste. Manche begehbar mit schöner Aussicht.

Eines der Forts ist dann gleich mal Pausenort, ich genieße die Aussicht und freue mich schon auf die leergeräumten Wege.😎
Die Idee haben auch andere.
Und so treffe ich den Engländer aus der vorletzten Herberge wieder, kurzer Smalltalk, was ist dein nächstes Ziel, welchen Weg gehst du weiter?

Am Weg stehen solche runden Türme. Musste erstmal den Text der Tafel davor übersetzen. Ich dachte, es sind alte Aussichtstürme. Nein, das waren Windmühlen. und davon gab es heute noch einige zu sehen.

Immer mal wieder hat jemand ein paar Muscheln und Steine drapiert auf Bänken und Sitzsteinen. Ich Banause erkenne nicht Sinn darin, nur setzt sich dann keiner dort hin.
Ist das wie mit den Handtüchern am Pool?
Welch Wunder, ums Eck kommt eine kleine Strandbar/ ausrangierter Container mit einer „Pausenversorgung“.
Und schon waren sie alle, die geschundenen Pilger wieder da. Wenn nichts mehr kommt, schlagen alle zu. Ich auch! 😎
Ab jetzt hatte ich ein As im Ärmel.
Das Gro der Pilger bog nach rechts in Richtung Berge ab.
Ich hab aber gestern Abend noch ein bisschen im Pilgerforum gelesen. Und da stand, willst du es urig und Natur haben, lauf geradeaus, eine Alternative, die genauso lang, aber schöner ist.
Also gehe ich gerade aus, Berg hoch zum Leuchturm von Montedor.

Es wurde schattig, gut für den Sonnenbrand.
Und dort oben stand auch noch eine intakte Windmühle.

Und ich wurde nicht enttäuscht, das Gelände wurde hügelig, mit Kiefern und heideartigem Bewuchs. Nur der Stechginster ist hier eine Plage. Es führte immer wieder zum Meer und durch Dünen. Auf Wald und Sandwegen läuft man einfach besser.

An den Stränden hat sich immer noch keiner ins Wasser getraut, wissen wohl warum. Die Strände müssen im Sommer aber traumhaft sein.
Oder die Portugiesen sind „Weicheier“.
Sorry, hier laufen immer noch welche mit dicken Jacken rum.
Bei mindestens 20 Grad.
Immer wieder mal durchs Dickicht. Toller Wegabschnitt, ich mag das. Gute Entscheidung, immer gerade aus, ist manchmal auch die beste Entscheidung.

Irgendwann kommt das Ziel in weiter Ferne in Sicht. Aber es sind noch 6 km bis nach Vila Praia.
Aber man sieht von hier schon den Kegel des Monte de Santa Tegra.
Spanien ruft.

Da kann ich schon mal jubeln, oder?
Aber es dauert noch, Mittagspause am Strand, gut ausgestattet mit Bänken. Und hier halte ich fast eine 3/4 Stunde lang aus, es weht ein leichtes Lüftchen, ganz angenehm.
Aber hier merke ich das erste Mal meine Waden.
Die haben jetzt auch Sonnenbrand.
Ich muss wohl mal meinem von der Sonne geschundenen Körper etwas Pflege gönnen.

Die muss aber noch warten, erstmal muss ich hier über Dünen klettern, der Steg ist weg! 🫣
Danach trudel ich ganz langsam ins heutige Ziel, über diese Brücke.
Und, was stimmt hier nicht?
Fußgänger und Radfahrer erlaubt! 1,8 im Turm und du knallst in den reißenden „Strom“. K
Kein Geländer, nix. Aber geht ja scheinbar!

Man muss also nicht alles immer sichern?
Die Portugiesen scheinen ja deutlich entspannter zu sein.

Was sagt uns die Auswertung des Tages heute?
Geradeaus ist auch ne gute Entscheidung.
Die Geschwindigkeit bleibt weiter so wie bisher!
Ich gebe es auf!
Na, die km stimmen halbwegs. 😎
Morgen geht zuerst bis nach Caminha, 9 km.
Dort gibt es ein Fähre über die Bucht des Rio Miño nach Spanien.
Das wird ja spannend!
Tagesziel ist morgen A Guarda, ab Fähre nochmal 7 km.
Das sind dann nur 16 km ,aber die Fähre braucht ja auch eine Weile rüber.
Außerdem habe ich Zeit.
Darum für heute noch mal:
Bom Caminho


