Ich bin auf dem Weg….
Fängt ja gut , es regnet, der Fahrkartenautomat der Metro nimmt keine EC-Karte, nur Bares. Die Metro nach Matosinhos hab ich fast verpasst!
Kann nur besser werden.
Wird es auch, es regnet nicht mehr….😊

Heute also immer entlang des Strandes.
Die salzige Luft ist herrlich und auch nur ein leises Lüftchen.
Ich bin nicht alleine, vor mir laufen schon einige Pilger.
Bom Camino hier, Bom Camino dort, es wird sich erstmal begrüßt, auch wenn man sich nicht kennt.
Und die Portugiesen grüßen sowieso.
Zuerst geht es an einer Raffinerie vorbei, auf der einen Seite das Rauschen der Wellen des Atlantiks, auf der anderen Seite das Gedröhne des Industriegebiets.
Schon beim ersten Camino português haben wir die erste Etappe raus aus Porto vermieden. Da läuft man einen Großteil des Weges durch Industriegebiete.
Vorbei am Leuchtturm Farol de Leiça, und einer kleinen Kapelle auf den Klippen (sie war, na klar, geschlossen) war ich auf der Suche nach einem Café zum Frühstück.


Nach den ersten 5 km dann endlich ein Café , das offen ist.
Ab morgen wird erst gefrühstückt, und nicht gleich wild drauf los gelaufen.😎
Und jetzt merke ich, das ich nicht mehr in der Großstadt bin, Frühstück für 2,80 € . Geht’s noch?

Es ist so schön anzusehen, die Einheimischen kommen rein, ein Espresso, kurzer Schnack, und weg sind sie wieder.
Ich hab ja zu Anfang gesagt, es kann nur besser werden!
Wird es… die Sonne kommt raus.

Noch ist es ein bisschen dunstig, aber es wird auf Anhieb warm.
Die Jacke bleibt schon mal im Rucksack 🎒.
Die ersten km hab ich in einem Affentempo runter gespult.
5 km/h, irre, da bin ich ja schon mittags am Ziel. Will ich das?
Nein, natürlich nicht.
Aber so ist es ja jedes Mal, ich muss meine Geschwindigkeit, die mir gut tut, erst finden.
Und die Pausen ziehen die Zeit auch in die Länge.
Also, mach mehr Pausen, Herr Görth, das ist hier kein Wettrennen!

Aber es läuft sich gut. Die Holzstege entlang der Dünen federn ein bisschen, das gefällt den Füßen gut.
Asphalt und Pflastersteine sind schwer zu laufen, das merkst du garantiert am Abend.
Aber das Thema Füße will ich erst gar nicht aufmachen.
Es läuft!
Mitten in den Dünen im Nirgendwo steht ein Obelisk.
Er erinnert wohl an die Landung portugiesischer Befreiungskämpfer für ein unabhängiges Portugal im 19.Jahrhundert.

Immer weiter geht es durch die Dünen, es ist kaum noch eine Wolke am Himmel, es wird immer wärmer.
Ich beklag mich ja nicht, aber es wird schwitzig.
In Lavra stehen die Fischer an den Netzkörben, holen Krabben raus, die Frauen puhlen Muscheln.
Die Frauen durfte ich nicht fotografieren, die Männer waren da entspannter.

Ich hab mich gefragt, wie kommen die mit ihren Booten bei der Brandung durch die Wellen? Da gehen riesige Wellen 🌊 an den Strand, Surfer hätten ihren Spaß.
Und weit und breit kein Hafen in Sicht.
Kleine Ortschaften gibt es genug, und immer wieder große hochmoderne Wohnkomplexe. Das sind bestimmt alles Ferienobjekte.

In Vila Cha steht das berühmte Café Sandra.
Kein Witz, unter Pilgern ist die Pension ein echter Geheimtipp.
Sandra, wir müssen mal mit ihnen über die Namensrechte reden!
Da geht doch was. 🫣 😊
Auf jeden Fall ist das Café ideal für die Mittagspause.
Nun konnte ich mich auch endlich entkleiden! 🫣 🫣 🫣
Kurze Hose und T-Shirt, und das am ersten Tag.
Die Sonne von hinten, ich muss auf den Nacken aufpassen.
Ansonsten ist der Sonnenbrand vorprogrammiert!
Das Wetter ist toll!

Die Unwetter im Februar und März haben die Küste ganz schön heimgesucht, aber überall sieht man Bautrupps mit Radladern, die Strände aufräumen und die schadhaften Holzstege reparieren.
Das ist wie bei uns mit den Löchern im Asphalt. Es dauert seine Zeit!
(Eh, ich bin im Urlaub, Arbeit ist für 6 Wochen tabu!) 😉
War hier ein bisschen wie Achterbahn fahren….

Haben sich aber echt Mühe mit den Wegen gegeben, die Portugiesen.
Am Horizont kommt schemenhaft das Ziel in Sicht, Vila do Conde. Aber das Naturschutzgebiet zieht sich noch ganz schön hin.
Sind noch 5 km! Sagt die Pilger-App… 🤔

Es ist ja nicht langweilig, Natur pur.
Frösche quaken, irgendwelche Strandläufer (Vögel) laufen kreuz und quer.
Und ich bin allein unterwegs, kein Pilger weit und breit.
Bin ich noch richtig?
Ich bin wohl immer noch zu schnell, oder alle anderen zu langsam? 🫣
Aber die Zivilisation hat mich gleich wieder, und siehe da, die erste Kirche am Ortsrand ist offen.

Ein alter Herr stempelt den Pilgerpass und wünscht Bom Caminho.
In die Altstadt von Vila da Conde geht’s über eine Brücke.
Und hier wird’s lustig. Eine junge Frau im Auto kommt mir entgegen gefahren, hupt und winkt mir zu.
Alter Falter, muss ich gut aussehen.
Hab ja wohl immer noch Schlag bei jungen Frauen!
🤣 🤣 🤣 🤣
Naja, das war wohl eher dem Pilger zum Gruß! 😩 😩 😩
Kann ich mit leben …

Ich bin am Ziel, durchgeschwitzt, aber froh, dass es so gut gelaufen ist.
Die Herberge liegt etwas weiter vom Ortskern entfernt, fast direkt am Strand. Modern ausgestattet, sehr sauber und nicht voll belegt.
Supermercado, Bars und Restaurants um die Ecke, die Versorgung ist gesichert.

Die Auswertung zeigt:
Ich war zu schnell und bin mehr Kilometer gelaufen als gedacht.
Die Geschwindigkeit kann ich ja noch runterschrauben,
der Weg ist halt so lang, wie er ist!

Nun noch duschen, essen und die Abendsonne am Strand genießen.
Und natürlich wie ET nach Hause telefonieren, damit Sandra sich keine Gedanken machen muss. 😍
Morgen geht es nach Esposende, 22 km entfernt laut Streckenplan.
Das Wetter wird ähnlich wie heute.
Was will ich mehr…
Darum:
Bom Caminho



