Es wird für mich unausweichlich emotional
Wir sind vorbereitet, heute gibt es kein Halten, was braucht Hardy den solange beim Aufklaren seines Rucksacks. Er hat ja Recht, es wird ein kurzer Weg. Wir haben Zeit.
Ich will trotzdem los.
Endspurt in Richtung Santiago, mit einem Mal sind so viele Pilger auf dem Weg.
Schon im Café beim Frühstück waren es mehr Pilger, als die ganzen Tage !

Und es wird nochmal steinig, aber nicht lang. 15 km bis zur Kathedrale.

Es ist unspektakulär, ein paar bekannte Gesichter laufen mit uns.
Der Holländer mit seinem schmerzenden Knie, die deutschen Mädels aus der letzten Herberge, die Iren und Briten aus der Casa.
Und viele spanische Kurzpilger mit leichtem Gepäck.
Wir gönnen uns nach 8 km noch eine kurze Pause in einem PilgerCafé eines Hotels.
Weiter, weiter, ich will eigentlich nur ankommen.
Und dann, 2 km vor dem Ziel, die Türme der Kathedrale kommen in Sicht. Ich hab bestimmt schon 5 km vorher Ausschau gehalten, sie haben sich gut versteckt.
Und sie nehmen uns so in ihren Bann, wir machen unbewusst einen „Shortcut“.
Aber wir sind auf dem richtigen Weg, ein paar Straßen weiter sind die gelben Pfeile wieder da. Hier führen eh alle Wege zur Kathedrale.

Ich bin ja nun schon zum 5. Mal hier, ab der Innenstadt find ich den Weg eigentlich blind.

Und dann ist es geschafft, wir sind wiedermal am Ziel.
Der Platz ist gut gefüllt, und ich bin wie jedes Mal, total angefasst von der Atmosphäre. Und brauch dann ein bisschen…..
Ich liebe diesen Platz, das Ankommen, die Stimmung.
Ich liebe es….
Eine „Sucht“ eben..

Hardy ist natürlich auch angekommen, und es ist sein zweiter Camino.
Und hoffentlich nicht der Letzte.
Es macht einfach Spaß, als Brüder diesen Weg zu gehen, wir genießen es.

Es ist cool, zu sehen, wie immer wieder neue Pilger ankommen.
Alle sind happy,
manche sind lädiert, aber trotzdem happy. 😎
Wir können sagen, bis hierhin sind wir super, ohne Probleme, durchgekommen.
Jacob hat aufgepasst.

Nachdem wir die Herberge bezogen haben, geht’s zurück in die Altstadt.
Es gibt natürlich Pulpo, Chipriones und Pimentos zum Abendbrot.
Nach 337 km von Ribadeo bis Santiago haben wir uns das redlich verdient.


Eigentlich hatte ich gehofft, Hardy kommt mit zum Pilgergottesdienst. Aber der „Ungläubige“ 😂 zieht es vor, noch ein paar schöne Fotomotive zu suchen und die Atmosphäre vor der Kathedrale zu genießen. Es sei ihm gegönnt, jeder, wie er will.

Radpilger….?

Westportal…
Mich zieht es in den Pilgergottesdienst um 19:30 und ich bin früh genug da, das ich einen Platz in der 4.Bankreihe im Seitenschiff bekomme. Besser kannst du kaum sitzen.

Es füllt sich nach und nach.

Immer wieder schön, ich weiß gar nicht, wie ich das beschreiben soll.
Und es wird ein sehr schöner Gottesdienst, der Männerchor ist Klasse, der Gesang ein Erlebnis. Der Bischof begrüßt die Pilger in 5 Sprache, auch in Deutsch.
Der Gottesdienst ist getragen von Orgel, Chor, Gebet und Abendmahl.
Ich hatte gehofft und bin nicht enttäuscht worden.
Obwohl ich Protestant bin, lass ich es mir nicht nehmen, katholischen Gottesdienst zu feiern, und beim Abendmahl mit vor den Altar zu gehen, und mir die Hostie geben zu lassen.
Wie war das mit Ökumene?!
Abendmahl in dieser Kirche ist für mich als Pilger auch Anerkennung für den Weg, auf den wir uns gemacht haben.
Ich könnte jetzt noch ewig schreiben, aber manche Sachen hat man für sich!
Und hier muss einfach gesagt werden:
Danke , Sandra, das du das alles mitmachst, mich loslaufen lässt, vielleicht manchmal zitterst, mich aber unterstützt.
Danke dafür!
Ansonsten: Buen Camino,
der Weg ist noch nicht zu Ende.
Tagesstrecke
16 Km
Insgesamt
337 km




































