Es gibt immer eine Steigerung…..

Ja, des gibt immer eine Steigerung von Irgendetwas. Die Steigerung von Regen : noch mehr Regen.

Der Regen sollte heute Programm sein, und auch von „noch mehr Regen“ gibt es eine Steigerung!

Aber von Anfang an.

Wie schon geschrieben, war gestern in Cea die Herberge voll. Dabei ist es eine recht schöne Herberge. Nur kann sich jeder ausmalen, wie es ist, wenn mindestens 30 Pilger komplett durchnässt, versuchen, ihre Sachen zu trockenen. Muffig stinkt es. 30 Pilger gehen in 2 Duschen, 30 Pilger gehen auf 2 Klo’s.

Geht einfach gar nicht. Kann sich jeder denken, wie das dort aussah. Nur was willst du machen? Also durchhalten!

Nachts hat es so geregnet, (ach, es hat geregnet?) das wir wach geworden sind! Das einzig Gute dran war, ich bin um 3:00 Uhr runter und hab die trocknen Schuhe vom Heizkörper genommen, und meine nassen Schuhe daraufgestellt! Wie böse! 😜

Ich hatte also morgens trockene, warme Schuhe.

Um 6:00 Uhr ging in der Herberge automatisch Licht an. Und: Es schüttet draußen, wie aus Kannen!

Wir haben uns aber ganz gut in die Bar zum Frühstück gerettet. Dann half es nicht, es ging raus in den Regen, 27 Km bis Lalín.

Wir hatten eine Steigung von 400 m ü.N. auf 850 m ü.N. vor uns, mal auf Asphalt, dann wieder auf Schotter und Waldwegen. Der Regen hat alles rutschig gemacht, einige Wald- und Feldwege haben sich wieder in Bäche verwandelt. Heute also wieder nasse Füße, bei soviel Wasser hält selbst Meindl nicht mehr ganz dicht!

Mal ein Schauer, mal Dauerregen, Sonne zwischendurch Fehlanzeige! Irgendwann gibt man auf! Ich hab ab und zu mal laut geflucht und war schon zwischendurch recht ungehalten. Ja, ich hab’s dann aufgegeben, ja, dann regne doch!

Auf 800 m ü.N. dann die nächste Steigerung von Regen! Schneeregen in heftigen Böen, aber da war’s eh schon egal!

Auf der Hälfte der Strecke, in Castro Dozon, endlich eine Bar, nach 12 Km dringend nötig.Die Wirtin hat uns echt bedauert und war sehr freundlich. Sie hat Bocadillos “ gebaut“, der absolute Hammer!Wie sagte Ausi-Anton: Das beste Bocadillo des Camino!

Also, wir müssen wirklich verzweifelt ausgesehen haben! Bocadillo mit Café und Clara con lemon 5,70€. Top.

Gut gestärkt wieder auf die Piste!

Im Regen!

Jetzt kam aber auch die nächste Steigerung von Regen!

Ja, da geht doch noch was !

Regen mit reichlich Hagel und Wind! Regen mit Hagel im Gesicht und ein rumfliegender Poncho sah bestimmt gut aus, nur fotografiert hat das keiner von uns. Ehrlich, jetzt wurde es lustig, wir haben überlegt, was den noch so geht!

Aber es zeigte sich kurze Besserung am Himmel, die Sonne! Und es ging durch einen „Wald“ von Riesenginster.Dadurch war es etwas geschützt, die Klamotten konnten etwas abtrocknen. Aber am Himmel zeigte sich die nächste Wand, klar, das hätte uns auch gewundert. Aber so ein „bisschen“ Regen kann uns Pilger doch nicht erschüttern.😜

Wieder etwas weiter unten angekommen, ging es durch einen Eichenwald, immer einen Hohlweg lang, sehr modrig, Schuhe und Socken waren nun komplett durchnässt, egal, was soll’s!Bei gutem Wetter bestimmt toll zu laufen, jetzt mussten wir höllisch aufpassen, das man sich nicht lang hinlegt. Zwischendurch dies Schild! Hoffnung!

Und der Regen hatte sich etwas gelegt, es nieselt nur ganz leicht. Und die Herberge für heute lag nur noch 1,5 Km entfernt vor uns.

O-Ton Anton aus Ausiland: Na, wenn wir in der Herberge sind, werden die Sachen wohl trocken sein! Wer’s glaubt, wird selig! Sowohl Wolfgang als auch ich hatten doch schon so ein Grollen gehört. Das ist bestimmt die Schnellbahnstrecke!

Denkste! Die nächste Steigerung!

Vor uns und neben uns eine schwarze Wand am Himmel! Ein Gewitter, alle Achtung, wir sahen unten im Tal schon die Herberge.

Und nun ging es richtig ab: Regen, Sturm, Hagel, Schneeregen, das komplette Programm. Ich muss sagen, jetzt hatte ich doch Muffensausen, bei soviel Sturm im Wald weißt du nicht, was von oben kommt! Aber es ist alles gut gegangen, die Sachen natürlich wieder nass! 😂😂

Aber wir sind heil angekommen! Wir haben überlebt! Und nur das zählt.

Nun alle Sachen raus, trocknen, was nass geworden ist. Schuhe mit Papier ausstopfen und die Socken waschen. Aber der Rucksack mit seinem Regencape ist trocken geblieben.Fazit des Tages: Es gibt immer eine Steigerung!

Noch 56 Km bis Santiago

Regen, Regen, Regen……

Jetzt hat uns der Regen eingeholt. Die ganze Nacht hat es volle Kanne geregnet. Und es wollte nicht aufhören. Nach dem Frühstück also in voller Regenbekleidung los, raus aus Ourense, in Richtung Cea. Und das zog sich, ist schon eine große Stadt. Immer bergauf, mit Frühstück im Bauch, 300 Höhenmeter bis über die Stadt. Eine schöne Aussicht in den Talkessel, bei Sonnenschein bestimmt toll. Aber das war uns heute nicht vergönnt. Es regnete halt mehr oder weniger. Total eingepackt kommst du da natürlich an nichts ran, nicht ans Handy oder den Fotoapparat. Von heute gibt es also ganz wenige Fotos. Es wurde aber von jedem mal die Chance genutzt, den Regen auf einem Bild zu verewigen.😊

Es ging durch einige kleine Dörfer, manche leer und überflutet.Die Wege wurden teilweise sehr schlammig, die Schuhe feucht. Es ist einfach zu viel Wasser unterwegs. Einige Wege verwandelten sich in Bäche, ein Problem, wenn du nicht ausweichen kannst.

In der ersten Bar nach 12 Km wurden wir wohl wegen unserer nassen Sachen recht unfreundlich bedient, aber egal, ich bekam meinen Café americano.

Dann wieder ab in den Regen, das ist schon unangenehm, wenn alles sowieso schon feucht ist.In den Wäldern standen richtig dicke Eichen, die Wege eingerahmt mit dicken Steinmauern, nur richtig Lust zum Umschauen hatte ich nicht, hatte mehr damit zu tun, das mir nicht der Regen in den Hals läuft!

Kurz vor Cea waren wir gezwungen, vom offiziellen Weg auf die Nationalstraße auszuweichen, der Weg war regelrecht abgesoffen, wir hätten Boot fahren können!

14:00 Uhr kamen wir durchnässt in der Herberge an, es waren schon einige Pilger da, eine Gruppe junger Leute, die in Ourense angefangen haben, wir hatten aber noch die Möglichkeit, die Betten frei zu wählen.

Inzwischen sind 30 von 40 Betten belegt, die Bude voll, jeder versucht sein Zeug und die Schuhe trocken zu bekommen. Das kann ja was werden.😱

Inzwischen haben wir den Ort erkundet, er ist sehr übersichtlich.

Ach ja, es regnet weiter! Auch morgen!

Aber wir haben Glück, auf dem Camino Frances und 3-4 Etappen hinter uns, hat es wieder geschneit, und zwar kräftig! Was für ein Wetter!

Also morgen auf ein Neues!

Buen Camino

84 Km bis Santiago!

Aber sowas von unspektakulär……🤨

Heute sollte uns der Weg nach Ourense führen, laut Outdoor 22,5 Km. In der Erwartung des angekündigten Regen, lagen der Poncho und die Regenhose bereit, wurden aber erstmal nicht gebraucht. Es war recht trübe, aber warm, ich bin gleich ohne Fließjacke losgelaufen. Laut Wegbeschreibung sollte es nur kurz durchs Gelände gehen, danach nur noch Asphalt. Ich hatte schon so eine Ahnung! Wir haben unterwegs etwas umher geblödelt, bis Wolfgang sich in eine Bushaltestelle gesetzt hat. Wollte er jetzt etwa mit dem Bus nach Ourense? Schnell das Handy raus, und ein Beweisfotos machen!Nein, natürlich nicht, es wurde ihm zu warm. Na, wir haben ihn aber schön hopp genommen.😂😂

Unterwegs dann im nächsten Dorf ein einsamer Esel, oder war’s ein Muli? Den Unterschied müssen wir nochmal klären.Es wurde es immer unspektakulärer, nur noch Asphalt, durch eine zersiedelte Landschaft. Der Verkehr nahm ordentlich zu, das macht kein Spaß. Das ist leider dann auch Pilgern, oder soll ich vielleicht sagen, Kilometer runter spulen? Das trifft es wohl am besten. Wir mussten durch ein riesiges Industriegebiet, total gruselig, Ruinen neben neuen Fabriken.

5 Km vor Ourense kam eine Arbeiterversorgungs-Bar, eine Pause war nötig! Die haben dort Bocadillos serviert, riesig, eben Arbeiterversorgung! Ich hatte zum Glück nur ein Tostarda bestellt. Halb so groß!

Und nun fing es draußen an zu regnen! Ja, aber 5 Km vorm Ziel konnte uns das nun auch nicht mehr schocken.

Ourense ist schon in Sicht, riesig mit 100000 Einwohnern, soviel sind wir garnicht mehr gewöhnt!

Der Regen nahm ab, bis zum Eintreffen an der Kathedrale war’s wieder halbwegs trocken.Die Kathedrale in Ourense ist ein mächtiger Bau, mit einer üppigen Ausstattung. Aber hier mussten auch wir Pilger Eintritt zahlen.

Es gab aber eben auch den Stempel fürs Credencial.

Gleich in der Nähe die Bar eines Spaniers, der in Deutschland aufgewachsen ist, deutsches und internationales Bier anbot, und hier die elterliche Gastwirtschaft wieder übernommen hat. Es wurde lustig.Da unser Anton Probleme mit den Knien hatte, ging’s ab in das Hostal, das aber im anderen Stadtteil über die Brücke lag. Er hat sich jetzt eine Bandage fürs Knie gekauft, und hofft damit gut bis Santiago zu kommen.

Auf das abendliche Essen verzichtete er, wir nicht! Und wo sind wir gelandet?

Beim deutschen Spanier! Und jetzt wurde es richtig lustig.

Mit Don, dem Ami, der sich uns für 2 Tage angeschlossen hat, konnten wir uns nur auf Englisch unterhalten, ging dann aber immer besser, hat gut geübt. Das Essen war Spitze, aber einfach nach 8:00 Uhr abends Zuviel! Der Spanier kam immer wieder zu uns an den Tisch. Wenn wir gewollt hätten, wären wir hier total stramm raus gegangen! Es war der perfekte Abschluss eines wirklich unspektakulären Tages!

Fazit des Tages : Der Weg war heute nicht der Beste, aber auch sowas hat man hier! Und man wird meistens auf irgendeine Weise dafür entschädigt! 😉

Buen Camino