Alternativen liegen uns.
Gestern Abend hat Hardy noch eine Sehenswürdigkeit ganz in der Nähe der Herberge gefunden, also hat sich der Plan für den heutigen Tag kurzerhand geändert. Wiedermal eine Alternative, und die lieben wir bekanntlich.

Morgens halb Neun in Galicien, wir genießen ein kleines Frühstück mit Tostarda und Marmelade, jeder 2 Café in der Herberge.
Denn bis Cee gibt es keine weitere Versorgungsstation! Wir sorgen vor, aber eigentlich sind es auch nur 15 km.
Eigentlich!
Erstmal geht es zur Pedra Cabalgada, einer sehenswerten Gesteinsformation. Und für solche Extras sind wir immer zu haben.
Die befindet sich über den Berg, quasi auf der anderen Seite.
Wir müssen den gestrigen Weg etwa 1 km zurück, und dann um den Berg rum laufen.
Das wird aber kein „Shortcut“, eher ein Umweg. Egal!
Anfangs kommen uns noch Pilger entgegen, die sich bestimmt wundern, wohin wir abbiegen.

Und das ist Pedra! Eine scheinbar schwebende Felsplatte auf einem darunter liegenden Felsblock.
Hardy erinnert das an den Millennium-Falken aus „Star Wars“🤔🤔🤔
Ja, hat was!
Beim Fotografieren hab ich die Platte aber dann doch lieber mit meinem Wanderstock gestützt, nicht das hier der Weg für mich endet.😂😂😂

In Hospital O Logoso kommen wir wieder auf den richtigen PilgerWeg. Hier zieht Hardy erst mal die ganz großen Wanderschuhe an, ist er jetzt größenwahnsinnig geworden?
Natürlich nicht, aber hier wird immer fotografiert.
Und hier ist dann auch das letzte Café bis Cee, ich konnte Hardy zum kurzen Stop überreden.
Hatten wir nicht erst vor einer Stunde Frühstücks- Café ?
Aber nach 10 Minuten geht es völlig „überkoffeiniert„ weiter. 😎😎

Auch die kreativen Pilger waren wieder unterwegs, Hardy erinnert sich aber, das war schon beim letzten Mal so.
Inzwischen ist es richtig windig und kalt hier oben geworden, 8 Grad, so das ich mir die Jacke überziehe.
Auf den letzten Metern will ich mich nicht noch erkälten.

Ich zeige an, wo ich hin will, nach Fisterra.

Hardy hat den Weg im Blick und weiß natürlich, wo es langgeht.

Hier oben ist es wie auf einer Hochebene, irgendwo dort hinten das Meer!
Irgendwann zeigt es sich dann, in der Ferne sind Cee, Fisterra und der Faro am Kap Finistere zu erahnen.

Gefühlt so nah, und doch noch fern.
Aber wir bekommen heute noch unseren Blick aufs Meer!

Vorher müssen wir uns aber mit dem Vákner beschäftigen!
Sowas wie ein Wehrwolf, der im 14. Jahundert in dieser Gegend die armen Pilger überfallen und gemordet haben soll.
O-Ton Hardy: das waren verkleidete Kelten, die sich nicht christianisieren lassen wollten. 😂
Ich glaub, es war ein….😂😂😂

An Legenden soll ja immer ein Quäntchen Wahrheit sein.
Ich setzte mich mal schnell unters Kreuz, da bin ich sicher.

Aber sind Hardy und ich uns sicher und einig, wo es jetzt weiter geht?

Immer dem gelben Pfeil nach, ist doch klar.
Und nun? Wir entscheiden uns für Links! Wir wollen morgen in Fisterra ankommen.
Immer weiter geht es über geschotterte Wege, es läuft gut.

An der Capilla de Nuestra Señora de las Nieves machen wir eine Trinkpause, (wo sind die letzten Müsliriegel?) und haben ein nettes Gespräch mit einem holländischen Pärchen, die den Camino Fisterra als Probelauf für weitere Caminos ausprobieren.

Zwischendurch ein kurzer Blick auf den Atlantik in der Ferne. Immer noch so weit weg.

Den letzten flachen Anstieg meistern wir locker, heute sind viele Pilger mit uns unterwegs.
Doch wo sind unsere Portugiesen? Wir haben sie nicht mehr gesehen. Aber ich bin mir ziemlich sicher, wir sehen sie in Fisterra.

Kurz vor dem langen steilen Abstieg nach Cee ist eine Kapelle am Wegesrand geöffnet. Wir rasten ein paar Minuten und ich hole mir den Stempel für den Pilgerpass.
Und siehe da, ich kann auch noch zwei Kerzen anzünden. 😊

Cee selbst ist ein kleines Küstenstädtche, nichts Besonderes.
Einige Herbergen und Hotels, ein regionales Krankenhaus (oder Kranken-Zentrum) Einkaufscenter, Bank und natürlich Cafés u.s.w.
Da es nun doch 19 km anstatt 15 km geworden sind, und wir noch nicht in die Unterkunft kommen, gönnen wir uns jeder eine Clara. 😋

Heute ist mal wieder SchmalHansKüchenmeister angesagt, wir holen eine Empanada, Käse und Wurst, dazu ein Kolli Mahou mixta aus dem Supermarkt.
Wir sind gut versorgt und werden satt.
Und dadurch haben wir auch noch Wegzehrung für den morgigen Tag.
Morgen gibt es nun den Endspurt zum Faro am Kap Finistere.
Dort endet dieser Camino.
17 km, also eine Kurzstrecke.
Da wir nicht so recht wissen, wie sich das Wetter entwickelt, laufen wir bis zum Mittag mit unseren Rucksäcken durch zum Kap.
Wir wollen das „ Ende der alten Welt“ ,und den „Blick aufs Meer“ genießen.
Denn zum Abend könnte es anfangen zu regnen.
Und Freitag, an unserem Ruhetag in Fisterra soll es laut Vorhersage Schauern.
Wir nutzen als noch die Sonne morgen.
Buen Camino
Tagesstrecke
19 km
Insgesamt
418 km


