Der Blick zurück….
Um 08:30 im Café in der Nähe der Herberge sind fast nur Pilger zum Frühstücken.
Gestern Abend bei dem schönen Wetter waren noch viele Spanier unterwegs. Sonnabend wird gefeiert. Demzufolge schlafen die meisten jetzt um diese Zeit noch.
Uns zieht es nach Westen aus der Stadt, der Weg führt uns nochmal an der Kathedrale vorbei. Und wir sind nicht allein. Heute werden es wohl mehr Pilger als sonst.

Es geht nach Negreira, 21 km liegen vor uns.
Die Sonne scheint schon, trotzdem ist es frisch, 8 Grad.
Aber die Sonne hat Kraft, es wird ein warmer Tag.

Der erste Kilometerstein des Camino Fisterra zeigt für Fisterra 89 km und für Muxia 86 km. Wir haben unsere Wahl schon getroffen. 89 km passen fürs Erste.

Den Weg können wir nicht verpassen, er ist gut gekennzeichnet, auch wenn manche Schilder schon bessere Zeiten gesehen haben.

Nach 3 Kilometern dann ein Blick zurück auf die Stadt, die Türme der Kathedrale von Santiago sind immer noch zu sehen. Es ist aber kein wehmütiger Blick.
Wir kommen wieder, versprochen.😎😉
Und hier oben über der Stadt, die erste „Mautstelle“ für Pilger. Uns hat der kleine Hund ohne eine Notiz passieren lassen. Sahen wir so uninteressant aus? Stinken wir? 🤔
Aber die Mädels hinter uns haben ganz schlechte Karten, ohne Streicheleinheiten gibt es für die beiden kein Durchkommen!
Mal ein liebes Tier, kein Kläffer, der uns zerfleischen will. 😂

Der Weg läuft sich einfach gut, hauptsächlich geht es durch Wald, auf geschotterten Wegen.

Wenn da nicht die portugiesischen Luxuspilger wären.
Die Frauen plappern ununterbrochen, in einer Lautstärke und Schnelligkeit, es ist kaum auszuhalten.
Es gibt nur zwei Möglichkeiten : wir machen einfach eine Pause und lassen sie davonziehen, oder…
Wir können sie kurz vor der ersten Bar im Dorf Quintans überholen.
Aber dann kommt die Krönung.
Ich steh schon in der Bar, will bestellen, kommen die Portugiesen rein. Ein Alarm.
Ein Mann gleich neben mir über den Tresen: Espresso Por favor!
Spinnt der?
Die Frauen wollen sofort ihre PilgerPässe stempeln. Sind einfach rücksichtslos und so laut.
Die Frau hinter dem Tresen hat aber den Überblick behalten. Immer der Reihe nach!
Wir sind dann vor ihnen wieder losgegangen und haben sie bis Negreira nicht mehr gesehen.
Besser so!

In den Dörfern blüht schon alles, hier in A Rapos ein „Schneeball“ und die Rosen.
Der Weg geht immer geradeaus, bergab. Hardy sagt schon, da hinten müssen wir den großen Berg wieder hoch!
Nö, sag ich, ich kann mich erinnern, es geht im Tal weiter.
Kann ich mich wirklich nicht erinnern, oder will ich nicht? 🤔
Unten an der kleinen mittelalterlichen Brücke, ahnen wir, was dann kommt!

Klar, wir müssen wieder den Berg rauf. Ja, das schaffen wir.
Aber das Schild am Weg verheisst nichts Gutes.
10% Steigung auf 2 km.😱😱😱
Wir können von Glück reden, das es durch den Wald bergauf geht, die Sonne brennt schon wieder richtig. Und 2 Kilometer können verdammt lang werden.
Es wird ein schweißtreibender Aufstieg, wir sind aber nicht die Einzigen, die sich hocharbeiten, alle quälen sich.
Ich kann mich echt nicht mehr an diesen Anstieg erinnern.
2022 gab es den noch nicht! 😎
Aber auf der anderen Seite geht es wie immer wieder runter.
Und dort wartet die Ponte Maceira über den Rio Tambre.
Sie ist aus dem 13.Jahrhundert und nur noch als Fußgänger nutzbar. In Verbindung mit der alten Wassermühle und den historischen Häusern, ein sehenswertes Ensemble.

Wir hatten gehofft, hier Pause im Café machen zu können, Pustekuchen!
Es ist Sonntag und Siesta.
Nun ja, die letzten 4 km werden wir auch ohne Pause schaffen.
Aber schade, der Ort läd echt zum Verweilen ein. Und zum Baden!
Aber es ist keine Badestelle zu finden, ich muss mich noch bis Fisterra gedulden.😩😩😩

Es geht ein Stück entlang des Rio Tambre, schön schattig.
Vielleicht findet sich hier eine Badestelle?
Fehlanzeige!

Nein, keine Badestelle, aber ein Tunnel.
O- Ton Hardy: Nö, der ist mir zu groß! Der fetzt nicht!
Oder doch?
Ich bekomme Hardy überredet! 😂

Sieht doch mal cool aus, nicht immer solche kleinen Tunnel, dieser ist mal was, oder?

Im nächsten Dorf hatte wohl noch jemand einen Mühlstein von der Ponte Maceira. Und hat eine Sonnenuhr draus gemacht.
Aber stimmt die?🤔🤔🤔
Wir sind dem Ziel nahe und genießen den Weg, der heute sehr gut zu laufen war.
Wie war das mit den 10% Steigung auf 2 km? Schon vergessen?

Einige Pilger sind immer mal wieder kreativ unterwegs auf dem Camino.
Negreira ist in Sicht und Hardy biegt ab. Er will heute ganz nobel unterkommen. Die Eigentümer lassen ihn aber nicht rein.
Das hat er, glaub ich, 2022 schon mal versucht, hat da schon nicht geklappt. 😂😂

Also doch Hotel Millan.
Hier sind wir schon 2022 untergekommen, das Frühstück ist morgen inclusive.

Und hier gibt es jetzt die wohlverdiente Clara con lemon und einen Café.
Das Thermometer zeigt 25 Grad an, wir suchen den Schatten.
Es wurde nochmal lustig.
Ein Reisebus fährt vor und gefühlt 100 hochbetagte Rentner steigen aus. Wird wohl eine Kaffeefahrt sein.
Beim Kaffeetrinken ertönt dann mit Mal laute Musik.
Hardy kommt hoch und lacht, die „Alten“ rocken den Saal.
Aber nach 1,5 Stunden ist alles vorbei. Die hatten definitiv Spass.
Inzwischen haben wir in Santa Mariña angerufen, und in der privaten Albuerge 2 Betten reserviert. Hier laufen jetzt doch so einige Pilger durch, nicht das morgen alles belegt ist.
Meine favorisierte Albuerge Casa Pepe, in der ich schon 2 Mal war, ist leider „completto“.😩
Morgen stehen 21 km bis Santa Mariña an, es soll zwar sonnig werden, aber nicht mehr so heiß.
Mir würden ja auch nur 15 Grad reichen.😉
Aber wir müssen das Wetter so nehmen, wie es kommt! 😂😂
Für heute…. Buen Camino
Tagesstrecke
22 km
Insgesamt
359 km


