Große Wäsche…
Heute Morgen sagte die Hotelangestellte zu Hardy, es ist kalt, ich möchte endlich Frühling haben!
Nachts ist die Temperatur tatsächlich auf 5 Grad gesunken, frisch für Spanien.
Aber tagsüber ist das hier schon Frühling, zumindest für uns. 😊
Das Frühstück war sehr gut und reichlich. Tostardos mit Butter und Marmelade und Jogurt .
Aber soviel essen wir morgens ja nicht.
Die Hotelangestellte sagte auf Englisch, ihr müsstet doch mehr essen für den Weg.
Wir haben dankend abgelehnt, am ersten Anstieg des Tages hätten wir es bereut, wenn wir uns überfuttert hätten.

Gut gesättigt, machen wir uns auf den Weg nach Feas, 20 km entfernt. Und es verspricht ein sonniger trockener Tag zu werden.
Heute ohne Meer und Klippen.
Es geht übers Hinterland, auch reizvoll, aber wahrscheinlich unspektakulär.

Die Bucht geht in Marschland über, und es geht bergauf. Hier gibt es keine offizielle Wegweiser mehr, wir müssen das Navi auf dem Handy quälen.
Nur gut, das ich eine Powerbank als Sicherheit mit im Gepäck habe. Und natürlich kommen wir trotzdem wiedermal vom Weg ab, leider ist im Reiseführer die Wegführung zu ungenau. Aber eigentlich ist das auch kein Problem.

Ländlich geprägt, geht es über die Dörfer, auf Schotter und Asphalt.
Was auffällt, die kleinen Äcker werden oft nicht mehr genutzt, hier holt sich die Natur die von Menschen geschaffene Kulturlandschaft zurück.
Obstwiesen werden nicht mehr gepflegt, verwildern. Schade!

Dann ein Wegabschnitt entlang einer Nationalstraße, geschottert und links und rechts gesäumt von Stechginster, ein ekelhaftes Gewächs. Es wuchert alles zu, ist undurchdringlich.
Und es geht natürlich bergauf. Eine ganz schöne Plackerei.
Immer mal kurz innehalten und dann weiter, so schafft man den Berg.
Gegen 12:00 kommen wir nach Cuiña, Zeit für eine Mittagspause, und dieses Mal haben wir Glück.
Der Ort hat ein Café, es ist auch geöffnet und wir können rasten. Eine halbe Stunde Füße lüften und Café trinken tut uns gut.

Dann eine kleine Kapelle, die leider wieder zugeschlossen ist.
Überhaupt war ich seit Santiago in keiner Kirche, alle sind tagsüber geschlossen, wenn kein Gottesdienst ist.
Und ich sitze gerne mal in einer Bank und genieße die Atmosphäre und halte inne. Ich hoffe einfach auf Ferrol.
Hardy erinnert sich, unser Bruder Oliver hat dieses Jahr 10. Todestag. Wir werden natürlich in Santiago für ihn eine Kerze in der Kathedrale anzünden!

Auch so sieht leider heute ein Teil unseres Weges aus, Asphalt, große, befahrene Straße, vielleicht 1,5 km. Das laufe ich ungern, hier war aber wenigstens ein Meter Randstreifen.
Aber es gab hier keine Alternative, und es ist sowas von unspektakulär, eher gefährlich.

Wenn überhaupt, dann ist vielleicht diese Fassaden/Mauergestaltung spektakulär!🤔😎
Inzwischen ist es warm geworden, die Hosenbeine werden abgezippt.
Und nun wird es echt spektakulär!😂😂😂
Wir haben die nächste Rast an einem historischen Waschplatz gemacht.
Und dieser läd ein zum „große Wäsche“ machen.
Wir können das, wir haben das gelernt!
Unsere Hosen und Schuhe haben ganz schön gelitten in den letzten Tagen. Da haben wir schnell mal die abgezippten Hosenbeine durchs Wasser gezogen und geschrubbt. Klares Gebirgswasser soll ja das Beste sein.
Und für unsere Ausrüstung gibt es eben nur das Beste ! 😂😂😂
Die Wäsche an den Rucksack gehängt, geht es weiter in Richtung Ponte de Mera, wir laufen wiedermal um eine Bucht herum.
Die Sonne scheint inzwischen ordentlich.
Von hier sind es jetzt noch ca. 2 km bis zum Hotel.

Wir kommen an einer verlassenen Schule vorbei.
Hier wurden Jungen und Mädchen getrennt unterrichtet, wie man an der Fassadenbeschriftung erkennt. Ein tolles Gebäude, das irgendwann mal zusammenfallen wird.
Hardy will es kaufen und eine Herberge draus machen. Na, ich rate ihm ab, was will er hier in dieser Pampa.
Unterwegs immer wieder Zitronenbäume, voll mit Früchten vom letzten Jahr, trotz neuer Blüten. Dagegen sehen wir Orangenbäume echt selten.

Kurz vorm Ziel, vielleicht 300 Meter, wird der Weg nass und verschlammt. Der Bauer hat ganze Arbeit geleistet.
Kein Durchkommen.
Und unsere Schuhe sehen inzwischen wie nach einer Schlammschlacht aus.
Shortcut !
Wir nehmen einen kleinen Umweg in Kauf und kommen halbwegs sauber im Hotel an.
Wahrscheinlich sind wir wiedermal die einzigen Übernachtungsgäste im Hotel. Aber das Hotel passt super zur nächsten Etappe, zurück ans Meer.
Und die Etappe wird uns morgen wohl fordern, wenn ich mir das Höhenprofil ansehe. Aber immer langsam hochkraxeln, schafft dann auch.

A Barrosa ist das morgige Ziel, Wegstrecke mindestens 17 km. Das reicht dann wohl bei dem Anstieg.
Unsere heutige Strecke war dagegen entspannt.

Wir gehen heute Abend noch was essen und bereiten uns seelisch und moralisch auf die Bergetappe morgen vor, darum jetzt wieder,
Buen Camino
Tagesstrecke
21 km
Insgesamt
148 km


