Ich bin ja friedliebend, aber…….

Die Wettervorhersage für heute sagt Regenschauer voraus. Also wird so gepackt, das ich schnellstmöglich an den Poncho und die Regenhose rankomme.

Um 7:45 Uhr ging es auf die Piste, wiedermal ohne Frühstück, es war alles zu. Aber in 10 Km Entfernung, in Mombuey, gab es dazu genug Möglichkeit. Graue, teils sehr dunkle Wolken am Himmel, es ging über eine Hochebene, ähnlich einer Heide, hier aber mit Stechginster.

Vor uns Jane aus Australien, mit den Armen fuchtelnd, sie wusste nicht weiter! Hier stimmte die Markierung doch nicht mehr.

Ich hatte ja gelernt,und mir als Hilfsmittel eine App mit der genauen Wegführung des Camino Sanabres aufs Handy geladen. Die verbindet sich mit Maps und sagt live, ob du auf dem richtigen Weg bist. Und hier hatte irgend ein „Witzbold“ die Schilder verändert. Nun bereite ich ja den nächsten Tag mit dem Outdoor Buch immer etwas vor, hab in etwa den Verlauf immer im Kopf, aber wir haben uns ja auch schon verlaufen. Jane wäre wohl irgendwohin Madrid angekommen.😉

Jetzt hieß es also Obacht, und Tatsache waren einige Schilder verrückt worden! Wer macht solchen Quatsch?

In Mombuey dann Frühstück, der Himmel verspricht nichts Gutes. Tief schwarz!

Und so wurde es jetzt eine nasse Angelegenheit, es hat etwa eine Stunde geschüttet, die Hosenbeine nass, alles andere etwas klamm, hat uns aber nicht wirklich erschüttert. Der Reiseführer Outdoor hat jetzt etwas gelitten, ist ein wenig aufgequollen, aber noch lesbar.

Nun der krasse Wetterwechsel, die Sonne kam raus, die Klamotten in Kürze trocken. Kurzarm war bei Wolfgang angesagt, so schnell ändert sich das. Wir kamen durch uralte Dörfer mit ehemals echt schönen Höfen, aber viele verfallen. Das ist hier 1000 m.ü.N. aber auch total abseits. Eigentlich idyllisch, aber das ist ja bekannter Weise nicht Alles. Zur Abwechslung bin ich mal mit Rucksack auf einen Kirchturm geklettert( den leg ich nur im Notfall ab), eine Außentreppe führte hinauf. Ich hatte einen tollen Ausblick auf das Dorf, das Tal und den angrenzenden Stausee.Landschaftlich war es am Stausee sehr schön, das erinnert mich an Irland, mit den Felsen und dem Stechginster. Hier fängt jetzt vieles an zu blühen. Aber das Gelände ist auch ein Auf und Ab.Was wir lange nicht gesehen hatten, waren Kühe!😉

Noch garnicht zu Ende gedacht, standen sie vor uns, der Weg 5 m breit, links und rechts Mauern. Kein Ausweichen möglich!

Die wollen doch nur fressen(Gras), haben sich an uns nicht gestört. Hier funktioniert mal friedliche Koexistenz!😎Na klar, hat sich doch rumgesprochen, das wir harmlos sind.😂😂

Zum Ende der Etappe wurde es nochmal etwas feucht, wir waren froh nach 27 Km in der Herberge anzukommen.

Hier der Tiefpunkt des Tages, die absolute Ernüchterung!

Albuergue „kompletto“ ! Ähhhh?

6 Betten, belegt mit 2 Zufuss-Pilgern, o.k., 2 Buspilgern(die chicas von den letzten Tagen )😡und zwei Radpilgern😡.

Öffentliche Herbergen in Spanien sind für Fusspilger reserviert, alle anderen Leute müssen bis Abends warten! Hat hier keinen interessiert. Ich war echt angefressen. Für uns gibt es jetzt je eine Matratze auf einem zugigen Flur ohne Heizung! Unsere Klamotten bekommen wir wohl nicht trocken.

Als dann noch der eine Deutsche, der ein Bett hat, mir ins Gesicht sagt: „das ist hier nix für Langsampilger“, hätte ich ihm fast vor allen Leuten eine geklatscht.

Aber ich bin ja friedliebend, die Hand hat aber gezuckt!

Und wer mich kennt, weiss, es muss schon einiges passieren, eh ich ausflippe! 😱Meine Meinung habe ich aber kund getan!

Aber es hilft nichts, die nächste vernünftige Unterkunft ist 30 Km mit Taxi entfernt, das wollte ich mir jetzt nicht mehr antun. Ich würde dann einen schönen Weg die nächsten Tage verpassen.

Fazit: Ich bin ganz schön angefressen, aber was hilfst!

Morgen ist ein neuer Tag, ich weiß jetzt schon, wo ich morgen schlafe!

Kommentar gerade von Pilgerfreund Wolfgang: Das Leben ist kein Ponyhof!

Ja, wir können schon wieder lachen !

Buen Camino

Ein Kommentar zu „Ich bin ja friedliebend, aber…….

  1. Auf dem Jakobsweg bekommt man Alles was man braucht, nicht was man sich wünscht. Zitat eines Pilgerbruders am Jakobsweg. Ort der Begegnung: Eine Stadt kurz vor dem Pyrenäenpass. Buen Camino! und eine erfüllte Zeit in der Karwoche. Herzlich, die Gärtnerin mit dem gruenen Daumen (die gerade gärtnert und Osterputz macht statt zu pilgern).

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